baldeggerjournal

12 Franziskanische Inputs Lieber Bruder Franz Erinnerst du dich? Dies war deine Botschaft im Jahre 1210, nachdem in Assisi ein Vertrag zwischen den Vertretern des einfachen Volkes und den Adeligen zustande gekommen war. Wie aktuell ist deine Botschaft heute, 812 Jahre später, angesichts des schrecklichen Krieges in der Ukraine und der Unruhen vielerorts! Frieden schaffen, bewahren und das Böse in den Herzen der Menschen verändern. Das sahst du als deinen Auftrag. Du wiesest deine Brüder immer wieder darauf hin, in allen Veränderungen des Lebens das zu bewahren, was euer Auftrag war, nämlich Boten des Friedens zu sein. Mit dem Bewahren und Verändern hast du Erfahrung. Als du geboren wurdest war eine Zeit des Umbruchs. Es gab technische Neuerungen wie Spinnrad und Trittwebstuhl, welche die Produktivität der Arbeit und die Qualität der Erzeugnisse steigerten. Das Geld spielte zunehmend eine Rolle. Du warst Sohn reicher Eltern und hast mit deiner radikalen Veränderung nichts von dem bewahrt, was dein vorheriges Leben geprägt hat. Als deine Gemeinschaft wuchs, war es notwendig, eine konkrete Lebensform zu schaffen. Du fragtest dich, was zu bewahren und was zu verändern sei. Unterschiedliche Ansichten der Brüder traten immer stärker zutage. Veränderungen waren notwendig. So schufst du eine Regel. Es folgten weitere Ereignisse, die deine Ordensgemeinschaft zu Veränderungen zwangen. Gegen Ende deines Lebens war sogar eine Neuorganisation des Ordens nötig. Immer wieder stellte sich dir die Frage: Was soll verändert werden, was soll bewahrt bleiben? Der erwähnte Vertrag, der damals in Assisi geschlossen wurde, glich einem Wunder. Denn der Graben zwischen dem einfachen Volk und den Mächtigen, dem Adel, schien unüberbrückbar zu sein. Bei den Unterdrückten lag tiefverwurzelter Hass gegen die Unterdrücker. Die Mächtigen regierten brutal, rücksichtslos und beuteten das Volk aus. In dieser Situation bewirkten du und deine Brüder einen Friedensvertrag aufgrund eures friedenstiftenden Geistes. Bei euch waren alle Klassenunterschiede aufgehoben. Das hat euch zu Brüdern gemacht und die Menschen überzeugt. Erfüllt von Gottes Liebe habt ihr Friede gepredigt. Ihr habt allen Hass verurteilt. Damit habt ihr den Samen gestreut, der zu einer Frucht der Versöhnung wuchs. Einst erbitterte Feinde konnten sich die Hand zur Versöhnung reichen und echte Freiheit für das Volk wurde möglich. Lieber Bruder Franziskus, du zeigst mir damit nicht nur, wie wichtig der Einsatz für Frieden ist, sondern auch, dass ich in allen Veränderungen meinen eigenen Auftrag glaubhaft zu leben und zu bewahren habe. Der griechische Philosoph Heraklit meinte: «Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung.» Wäre doch «Friede» eine solche Konstante im Leben! Wo sind heute die Menschen, die aufgrund ihres friedenstiftenden Geistes einen Friedensvertrag zu bewirken vermögen? Du wirst wahrscheinlich antworten: «Jeder trägt in seinem eigenen Herzen das Heilmittel: löst euch von Habgier und Stolz und ihr seid frei! Was das bedeutet, darüber denke selber nach!» Das werde ich tun, aber melde dich trotzdem. Ich würde mich freuen. Deine Sr. Nadja «Der Friede wohne in euren Herzen und in euren Häusern, denn gross ist die Barmherzigkeit des Herrn. Er wird uns das Ende des Krieges schenken, der seine Geschöpfe zerfleischt. Jeder trägt in seinem eigenen Herzen das Heilmittel: löst euch von Habgier und Stolz und ihr seid frei! » (Franz von Assisi)

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