13 Psalmen Sr. Renata Geiger, Baldegg Erinnerung an die Vergangenheit – Leiden an der Gegenwart – Hoffnung auf die Zukunft Mit diesen drei Stichworten möchte ich das Thema des neuen Journals umschreiben, weil die beiden Begriffe «bewahren und verändern» in den Psalmen so gar nicht vorkommen, wohl aber das, was sie ausdrücken wollen. Von Erinnerung getröstet – zur Hoffnung ermutigt Erinnerung und Hoffnung sind Kräfte, die motivieren und aktivieren, um das Leiden der Gegenwart zu ertragen. Erinnerung hilft, Gutes wie Schlechtes aufzurufen, zu verarbeiten, auch zu bewahren, um nicht geschichtsvergessen zu handeln. Hoffnung aber darf nicht nur als jenseitige Hoffnung verstanden werden. Menschen, die wirklich hoffen, geben sich nicht mit den Zuständen der Welt, so wie sie ist, zufrieden, sondern hoffen auf Veränderung. So gehört es zum jüdischchristlichen Erbe, Erinnerung und Hoffnung zur Sprache zu bringen. Erinnerung an die Vergangenheit Schauen wir deshalb auf Psalm 85 «Einst hast du, Herr, dein Land begnadet und Jakobs Unglück gewendet, hast deinem Volk die Schuld vergeben, all seine Sünden zugedeckt.» Der Psalmist schaut zurück. Er erinnert sich an das Heilshandeln Gottes in der Vergangenheit. Es geht um die Wiederholung des wunderbaren Anfangs der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk, ja zwischen Gott und seiner Schöpfung. Es sind einige Szenen, die uns hier begegnen: Gott wird daran erinnert, dass er ja schon einmal gnädig gehandelt hat. Er hat Israels Unglück gewendet, Schuld vergeben und Sünden zugedeckt. All das hat sich tief ins Gedächtnis des ganzen Volkes und des Einzelnen eingeprägt und diese Erfahrung gilt es zu bewahren. Leiden an der Gegenwart Dann aber kommt die leidvolle Gegenwart in den Blick. «Gott, unser Retter, richte uns wieder auf, lass von deinem Unmut gegen uns ab! Willst du uns ewig zürnen, soll dein Zorn dauern von Geschlecht zu Geschlecht?» Der Beter hat Gottes Wirken in der Geschichte erfahren und diese Erfahrung ermutigt zu Hoffnung. Ermutigung ist eine wirkungsvolle Kraft, um Menschen zu positiven Veränderungen im Denken und Handeln zu bewegen. So holt er das Vergangene in die Gegenwart hinein und wagt es, seine Bitten an Gott zu richten. Er soll im Blick auf sein früheres Handeln die gegenwärtige Situation seines Volkes wenden. Hoffnung auf die Zukunft Der dritte Teil des Psalms blickt in die Zukunft. Der Psalmist wird zum Hörer. «Ich will hören, was Gott redet:» Er wünscht von Gott zu hören, dass er ihm Frieden zusagt. Aber nicht nur Frieden, sondern auch Gerechtigkeit und Treue. «Frieden verkündet der Herr seinem Volk. Es begegnen einander Huld und Treue Gerechtigkeit und Friede küssen sich.» Unser Psalm verbindet Friede untrennbar mit Gerechtigkeit. Frieden ist nicht einfach die Abwesenheit von Krieg. Der hebräische Schalom hat eine breite, umfassende Bedeutung. Schalom kann nicht nur mit «Friede», sondern auch mit Wohlergehen, Zufriedenheit und Sicherheit übersetzt werden. Schalom ist ein Leben in Würde und Freiheit, Gerechtigkeit und Friede. Psalm 85 scheint mir heute im Blick auf die Ukraine mehr als aktuell. Beten wir mit diesem Psalm für die Menschen in der Ukraine, dass auch bei ihnen der Friede verkündet werden kann und dass Gott ihnen Gerechtigkeit und Freiheit zuteilwerden lässt. Von Erinnerung getröstet – zur Hoffnung ermutigt
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