baldeggerjournal

Glauben & Beten 17 Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Ich trat am 4. November 1965 ins Kloster ein. Schon als Kind ging ich gerne zur Kirche und wurde auch von Tanten und einer Nachbarin immer wieder mitgenommen, weil ich scheinbar brav war. Meine Grosstante, Sr. Oliva, ebenfalls Baldegger Schwester, hat viel für mich gebetet, aber nicht gestürmt, damit ich diesen Weg fand. Wo bist du daheim? Immer dort, wo erfüllende Aufgaben und Herausforderungen auf mich warten. Wo auch Begegnungen und ein Austausch mit verschiedenen Menschen möglich sind. Meine Wurzeln habe ich auf dem Lindenberg. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte? Die Situation, dass die Eltern praktisch immer mit uns gingen, sei es zur Kirche oder zur Arbeit. Wir wurden nicht einfach geschickt. Wer ist dir Vorbild? Je nach Lebenssituation wechselt dies; Eltern, einzelne Lehrpersonen, Mitschwestern, Heilige wie Verena oder Franz von Assisi. Wer lehrte dich glauben? Vom Glaubenswissen her Priester, Theologen, Exerzitienleiter, Schriftlesung. Vom Glaubensvollzug her das Elternhaus, die Gemeinde, die Lebensumstände, die Erfahrung des Geführt-Seins, des Gehalten-Seins. Welche Farbe hat dein Glaube? Blau – für Tiefe, Treue, Frische, … für das letztlich Unergründliche, sei es in der Tiefe oder in der Höhe. Was bedeutet dir glauben? Im «Kanisi» lernten wir: «Alles für wahr halten, was die Kirche zu glauben vorstellt.» (Ungefähr so!) Für mich persönlich bedeutet es: Wahrnehmen der Gegenwart, die mich innerlich berührt und zu einer Haltung, zu einem guten Tun bewegt. Von einer grossen Liebe, Treue und Barmherzigkeit umschlossen sein und versuchen, dies weiterzuschenken. Wer ist Gott für dich? Der gute, schöpferische, liebende, barmherzige Heilige Geist, der alles durchwirkt, auch mich, wenn ich es zulasse. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Ich mache im Alltag immer wieder die Erfahrung, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein, ohne es geplant zu haben oder hilfreiche Antworten geben zu können, ohne vorher lange überlegt zu habe Gibt es auch Zweifel? Ist das, was ich wahrnehme und «glaube» Gott-gewirkt oder entspringt es meiner Phantasie oder ist es angelernt. Wie betest du? Viel und meistens gerne in Gemeinschaft. Persönlich meistens ohne vorgegebene Worte. In Offenheit lasse ich Situationen, Menschen mit ihren Schicksalen auf mich zukommen und trage sie vor Gott. Manchmal begleiten mich auch Worte der Hl. Schrift oder andere tiefgehende Aussagen. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Vieles, was ich schon von Kindheit an irgendwie gelebt habe, bekam eine geistliche Dimension: das einfache Leben, das Sprechen mit den Tieren, der sorgfältige und sparsame Umgang mit den Dingen usw. Welches Wort aus der Bibel begleitet dich durch das Leben? Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Überwinde das Böse durch das Gute. O mein Gott … Fortsetzung je nach Situation. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest? Seid dankbar für alle Eingebungen, alles Gelingende oder sich Klärende; dies macht bereit für Weiteres. Seid offen für das Empfangen und das Weiterschenken. Sr. Cornelia Keller, 1944, aufgewachsen mit einer Schwester und einem Bruder in Schongau auf dem Lindenberg. Ausbildung zur Handarbeitslehrerin in Baldegg. 1965 Klostereintritt. 1967!–!72 Unterricht in Horw und anschliessend 17 Jahre am Handarbeitslehrerinnenseminar Baldegg. Ab 1991 vier Jahre Unterricht und andere Aufgaben in Bourguillon und anschliessend fünf Jahre im Kurhaus Oberwaid in St. Gallen. Seit 2009 in der Klosterherberge in Baldegg tätig.

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