9 Sr. M. Martine Rosenberg, Baldegg Jeder Übergang im menschlichen Leben ist mehr oder weniger gezeichnet von Hoffen und Bangen. Das gilt besonders auch für den Wechsel von einem Jahr zum anderen. Wir schauen zurück Im Verlauf des Jahres und unseres Lebens gab es Situationen, die wir mit Bangen überstanden haben und auch Stunden und Tage voller Hoffnung. Es ist gut und schön, sich an beides zu erinnern und daraus Kraft zu schöpfen. Wir haben ja nicht nur einiges erleiden müssen, sondern wir sind auch von vielem verschont geblieben. Vielleicht können wir für Schwieriges und Belastendes sogar danken, weil wir daran gewachsen sind. Wir staunen, dass wir durchgehalten und nicht aufgegeben haben. Wir sind dankbar, dass wir neu beginnen und neu vertrauen konnten. Bangen und hoffen, Angst und Zuversicht gehören zusammen. Sie lehren uns Demut. Demut vor Gott und vor den Menschen. Sie lassen mich erfahren, dass ich allein nichts zustande bringe. Bangen und Hoffen führen mich vom Ich zum Wir. Bangen und Hoffen helfen mir zu einem realistischen Blick aus der Gegenwart in die Zukunft. Wir schauen nach vorne Heute sprechen wir oft von schwierigen Zeiten. Ich bin aber überzeugt, dass es noch nie eine einfache Zeit gegeben hat. Das Geheimnis des Lebens, das Wunder der Schöpfung ist so gross, dass es nie mit unserem menschlichen Verstand durchdrungen und verwaltet werden kann. Das Leben ist und bleibt eine grosse Herausforderung. Die Probleme der heutigen Welt und der Kirche bilden keinen Grund zur Mutlosigkeit und sind keine Entschuldigung, um nichts tun zu müssen. Als die zwölf ungebildeten Apostel im Römischen Reich mit der Verkündigung des Evangeliums begannen, war das nicht einfach, es war nur anders. Bei ihrem Bangen und Hoffen konnten sie sich einzig auf die Zusicherung Jesu stützen: «Ich bleibe bei euch bis zum Ende der Welt». Die heutige rasende technische Entwicklung hält unser Bangen und Hoffen lebendig. Beides hat seinen Platz. Es ist aber tröstlich, wenn das Hoffen die Oberhand behält. Dazu hilft uns der Glaube, ein Glaube, der früher und heute in schwierigsten Situationen vielen Menschen die Kraft bis zur Hingabe ihres Lebens gegeben hat. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer ist ein konkretes Beispiel dafür. Er hat uns einen Text geschenkt, der mich bei jedem Übergang im eigenen Leben und beim Eintreten in ein neues Jahr mit Zuversicht erfüllen und vom Bangen zum Hoffen begleiten kann: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Dietrich Bonhoeffer konnte so glauben und schreiben, weil er Jesus begegnet ist. Wer Jesus begegnet, wird vom Bangen zum Hoffen geführt. Er wird befreit von der Traurigkeit, von der inneren Leere und auch bewahrt von der Resignation. Mit Jesus Christus werden Bangen und Hoffen in Freude verwandelt. Das gilt für die Menschen aller Kulturen und jeden Glaubens und auch für alle ohne Religion. Gott liebt jeden Menschen und hat die ganze Welt erlöst. Das Geschenk dieses Grundvertrauens wünsche ich uns allen auch im neuen Jahr. Von guten Mächten wunderbar geborgen . . .
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