baldeggerjournal

10 Dr. P. Albert Ziegler SJ, Zürich Hoffen und Bangen Grundgegebenheiten unseres Lebens Hoffen und Bangen gehören zum menschlichen Leben. Das vielleicht schönste Beispiel für diese Wahrheit ist die Frau, die ein Kind erwartet. Sie ist nicht einfach schwanger, sondern gesegneten Leibes und guter Hoffnung. Sie ist guter Hoffnung, weil das Kind, das sie in ihrem Leibe trägt, Hoffnung für die Zukunft ist. Sie selber ist aber auch für dieses Kind die einzige Lebenshoffnung. Denn ausserhalb des mütterlichen Schosses kann das Kind noch nicht leben. Doch auch das Bangen ist der werdenden Mutter nicht fremd. Mit Bangen sieht sie ihrer schweren Stunde entgegen. Sagt doch Gott schon zu Eva: «Mit Schmerzen wirst du Kinder gebären (Gen 3,16)». Denken wir nur an Maria. In der Herberge war für die Geburt kein Platz; und kaum hatte sie geboren, musste sie um das Leben ihres Kindes bangen und mit Joseph und dem Kinde in die Fremde fliehen. Allein was besagt das Wort über die Beispiele hinaus auch für uns? Hoffnung hüpft Eine erste Auskunft geben uns die Wörter. Die Herkunft des Wortes hoffen bleibt fraglich. Der Duden denkt an hüpfen. Wer hofft, ist erregt. Er hüpft auf und ab und hin und her. Doch was bedeutet diese hüpfende Hoffnung? Hoffnung ist die zuversichtliche Erwartung, ein Unternehmen oder ein Ereignis finden ein gutes Ende. Ende gut, alles gut. Dieses gute Ende ist aber noch nicht da. Man muss abwarten und inzwischen dafür sorgen, dass die Aussichten auf ein gutes Ende sich vergrössern. Zwar hat schon Abraham lernen müssen, gegen alle Hoffnung zu hoffen (Röm 4,18). Dann sagen wir: «Man kann nur noch beten». Doch meistens sieht die Lage nicht so hoffnungslos aus. Dann sagen wir: «Hoffen wir das Beste!» In diesem Sinne gehört Hoffnung notwendig zum Leben. Schon die alten Römer sagten: «Dum spiro, spero». Solange ein Fünklein Atem in mir ist, ist auch die Hoffnung nicht ganz erstorben. Ja, selbst wer sich das Leben nimmt, weil es ihm unerträglich geworden ist, tut es in der Hoffnung, alles andere als das gegenwärtige Leben sei erträglicher. Freilich muss die Hoffnung auch begründet sein. Nicht umsonst sagen wir: «Hoffen und Harren macht manche zum Narren». Auch müssen wir mit allem rechnen. «Unverhofft kommt oft». Alles in allem schenkt uns darum die Hoffnung Zuversicht, aber keine Sicherheit. Das Bangen bleibt. Hoffnung macht keine Luftsprünge Denken wir beim Bangen zuerst wieder an das Wort. Das Wort Bangen hat es mit der Enge zu tun. Wer bangt, hat zwar noch keine Angina; aber er kommt in Atemnot. Er fühlt sich eingeengt und bekommt es mit der Angst zu tun. Auf diese Weise sorgt das Bangen dafür, dass die Freude keine Luftsprünge macht, sondern auf dem Boden bleibt. Die bleibende Unsicherheit und die damit verbundene Angst machen uns zu schaffen. Darum gehen wir gegen möglichst alle Zwischenfälle Versicherungen ein. Aber die Versicherung kann meinen Schadensfall ablehnen oder kann selbst hoffnungslos pleitegehen. Deshalb gilt: Zwar blüht das Kräutlein der Hoffnung; aber gegen das Bangen ist kein Kraut gewachsen. Luftsprünge sind der Hoffnung verwehrt. Sie muss sich damit begnügen, zuversichtlich zu hüpfen. Aber auch für das Hüpfen braucht sie einen sicheren Boden unter den hüpfenden Füssen. Hoffnung gründet im festen Boden des Vertrauens Der feste Boden, auf dem die Hoffnung gründet, ist das Vertrauen. Doch was ist Vertrauen? Wiederum finden wir – wie schon bei der Hoffnung und beim Bangen – eine erste Auskunft bei der Herkunft des Wortes. Im Hintergrund steht das indogermanische Wort deru. Es bedeutet Eiche und Baum. Der Baum wurzelt fest in der Erde. Er hat – im Gegensatz zur

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