baldeggerjournal

11 leicht beweglichen Pflanze – einen kräftigen und festen Stamm. Seine Zweige ragen in den Himmel. Von diesem Hintergrund her entstehen die Wörter Trost als innere Festigkeit und Treue als Zuverlässigkeit. Entsprechend ist Vertrauen das, worauf man sich verlassen und woran man sich (fest)halten kann. Dieses Vertrauen ist als Urvertrauen die grundlegende Fähigkeit, sich auf das Leben einzulassen und es trotz aller Schwierigkeiten getrost zu wagen. Ganz allgemein ist Vertrauen die Überzeugung von der Zuverlässigkeit der vorhandenen Informationen, die es mich wagen lässt, handelnd darauf einzugehen. Genau dieses Vertrauen ist die Grundlage unserer Hoffnung. Doch was berechtigt mich, so zu vertrauen und derart zu hoffen? Vertrauen ist im letzten Gottvertrauen. Wir trauen es Gott zu, dass er ends aller Enden es zum Guten und Besten wenden wird. In diesem Sinne rechnen die Theologen unsere Hoffnung zu den drei göttlichen Tugenden, nämlich Glaube, Hoffnung und Liebe, die sich auf Gott beziehen und die darum Gott auch allein uns schenken und ins Herz legen kann. Hoffnung ist darum im Letzten immer auch Hoffnung auf das gute Ende in und bei Gott. Diese Hoffnung gilt der Welt. Wir hoffen zwar auf Gott; aber wir hoffen dabei für die Welt. Die Welt gehört zu Gott und soll darum nicht zum Teufel gehen. Der Augenschein spricht allerdings vielfach dagegen. Die Welt liegt vielfach im Elend. Besserung ist kaum in Sicht. Man könnte verzweifeln. Man müsste sogar. Aber da ist Jesus. In Jesus wird Gott selber Teil unserer Welt und teilt mit uns Hoffen und Bangen. Am deutlichsten wird dies unter dem Kreuz des Herrn. Da ist das Bangen: «Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen (Mt 27,46)»? Da ist aber auch die Hoffnung. Sein letztes Wort vor dem Tod lautet: «Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist (Lk 23,46)». Später werden die Christen beten: «O heil’ges Kreuz, sei uns gegrüsst / Du einz’ge Hoffnung unserer Welt». Wir fügen hinzu: «Hast dem Schächer einst verziehen, hast auch Hoffnung mir verliehen». Hoffnung schenkt uns aber auch die Mutter Jesu. Im Salve Regina grüssen wir sie als «unsere Hoffnung». Darum haben wir guten Grund in der Präfation für unsere verstorbenen Mitmenschen zu beten: «In Jesus erstrahlt uns die Hoffnung, dass wir zur Seligkeit auferstehen». Aber noch leben wir. Die Lebensaufgabe bleibt. Die Hoffnung für die Welt verpflichtet uns daher, auch selber Hoffnung in die Welt zu tragen. Das war das Anliegen der bekannten Theologie der Befreiung und der Politischen Theologie. Es ist still geworden darum. Umso mehr sind wir selber gefordert, Hoffnung in die Welt zu tragen. Ein guter Leitfaden könnte uns Georg Neumarks Lied sein (KGB 541), von dem schon in der letzten Nummer des Baldegger Journals die Rede war. Ja, lassen wir Gott walten und hoffen wir auf ihn allezeit. Aber verrichten wir getreu auch das unsere. Gegenwärtig haben Sie ein Blatt in der Hand. Könnte nicht dieses BaldeggerJournal ein kleiner Hoffnungsschimmer sein? Hoffentlich begegnen Sie auf diesen Seiten so vielen Zeichen der Hoffnung, dass auch Sie ermuntert werden, Hoffnung weiterzutragen. Hoffen wir das Beste! Bangemachen gilt nicht.

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