13 Psalmen Sr. Renata Geiger, Baldegg «Die Psalmen sind für mich eines der wichtigsten Lebensmittel. Ich esse sie, ich trinke sie, ich kaue auf ihnen herum, manchmal spucke ich sie aus. Sie sind für mich Brot.» Von dieser Erfahrung schreibt Dorothee Sölle in einem ihrer Bücher und sie will auch uns dazu einladen, dieselbe Erfahrung zu machen, wenn sie weiterschreibt: «Esst die Psalmen, jeden Tag einen. Vor dem Frühstück oder vor dem Schlafengehen, egal. Haltet euch nicht lange bei dem auf, was ihr unverständlich findet, wiederholt euch die Verse, aus denen die Kraft kommt. Der Psalm ist ein Formular, und du sollst deinen Namen eintragen und deinen Schmerz, deine Freude und dein Glück und deine Ängste, dein Hoffen und Bangen und alles, was du liebst.» Psalmen sind wie Brot, sagt Dorothee Sölle, oft hartes Brot, das lange und gründlich gekaut werden muss, damit es seinen Geschmack entfaltet. Dann aber können sie zur Nahrung werden für unseren Alltag, denn es gibt keine menschlichen Erfahrungen, die den Psalmen fremd sind. Aber das allein genügt nicht. Sie müssen artikuliert, ausgesprochen, hingeworfen, herausgeschrien werden auf Gott hin. Dafür stellen uns die Psalmen Worte zur Verfügung – Lebensworte, Mittel zum Leben. Hoffen und Bangen Beide Gefühle werden angesprochen in Psalm 13. Die Grundstimmung im ersten Teil ist Sorge. Der Beter hat ein banges Gefühl, steckt in Schwierigkeiten und Gott ist ihm irgendwie abhandengekommen, hat ihn scheinbar vergessen oder hat sich von ihm abgewandt. Der Psalmist aber – und das ist das Besondere an den Psalmen – wendet sich nicht ab von Gott. Je mehr er sich von ihm vergessen fühlt, umso mehr überfällt er ihn mit seinen Fragen. Viermal wiederholt er sie eindringlich. Er fordert Gott heraus. Er gibt die Hoffnung nicht auf. Wie lange noch, HERR, vergisst du mich ganz? * Wie lange noch verbirgst du dein Angesicht vor mir? Wie lange noch muss ich Sorgen tragen in meiner Seele, Kummer in meinem Herzen Tag für Tag? * Wie lange noch darf mein Feind sich über mich erheben? Dann aber wird es konkret. Es scheint, als müsse der Beter Gott auf die Sprünge helfen, ihm sagen, was er zu tun hat, damit seine Not ein Ende findet. Blick doch her, gib mir Antwort, HERR, mein Gott, * erleuchte meine Augen, damit ich nicht im Tod entschlafe. Diese Forderungen weisen uns auf etwas Wichtiges hin. Der Psalmist kann nur leben, wenn Gott ihn anschaut. Gott als Gegenüber gibt seinem Leben Sinn und Inhalt. Aber es gibt noch einen anderen Grund und damit wird Gott noch einmal herausgefordert: damit mein Feind nicht sagen kann: Ich habe ihn überwältigt, * damit meine Gegner nicht jubeln, weil ich wanke! Wenn Gott nicht reagiert, dann wird sein «Image» Schaden leiden, weil er dann ein Gott ist, der sich offenbar nicht um seine Menschen kümmert, der sie hängen lässt. Aber soweit kommt es nicht. Gott muss das drängende Bitten erhört haben, die Hoffnung des Beters hat sich erfüllt, denn die Klage mündet, wie so oft in den Psalmen, in ein Lob: Ich aber habe auf deine Güte vertraut, * mein Herz soll über deine Hilfe jubeln. Singen will ich dem HERRN, * weil er mir Gutes getan hat. Kehren wir zum Anfang zurück! Da haben wir von Dorothee Sölle gehört: «Der Psalm ist ein Formular, und du sollst deinen Namen eintragen und deinen Schmerz, deine Freude und dein Glück und deine Ängste, dein Hoffen und Bangen und alles, was du liebst.» Liebe Leserinnen, liebe Leser! Versuchen Sie doch selber Ihren Namen in diesen kleinen Psalm 13, in dieses «Formular», einzutragen. Füllen Sie es mit Ihren eigenen Fragen, Sorgen und Hoffnungen. Vielleicht geht es Ihnen dann wie dem Psalmisten. Sie erfahren, dass sich etwas verändert. Dann können auch Sie, wie der Psalmist am Schluss, Gott danken, weil er Ihnen Gutes getan hat. Lebensworte – Lebensmittel
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