baldeggerjournal

4 Einmal anders Wovon lassen Sie sich im guten Sinn stören, irritieren, anregen? Wie kommen Sie zu Neuem, zu Veränderungen oder gar Wandlungen? Ferientage können dazu helfen. Aber auch im Alltag gibt es ungezählte Möglichkeiten, den Trott zu durchbrechen. Für Sie ein paar Anregungen, um durch ungewohntes Tun neue Zugänge und Erfahrungen zu finden. Sie passen für die Ferien und für daheim! • Drehen Sie den Schlüssel künftig mit der weniger gewohnten Hand, rühren Sie die Sauce in umgekehrter Richtung oder führen Sie den Schwingbesen links herum … Sie werden sehen: das alles geht nicht leicht von der Hand. Für Gehirn und Muskeln sind solche Übungen jedoch hilfreich, sie stimulieren und provozieren. • Geniessen und verkosten Sie mit allen Sinnen, was jetzt da ist, entspannt und belebt. Für mich ist das Beobachten des Wassers mit dem wechselnden Licht der Tages- und Jahreszeiten Anlass, zu verweilen und präsent zu sein. Mein Grossneffe hingegen liegt bäuchlings im Rasen, konzentriert auf die Ameisen und Käfer in der Wiese. Mit den kleinen Fingern berührt er sanft die Grashalme und streicht darüber. Die Welt rund herum hat er vergessen. Wann haben Sie sich letztmals so dem Schauspiel der Natur anvertraut und so Ihre Seele gestärkt? Welcher Platz, welche Zeit, welche Tätigkeit schenkt Ihnen solche Momente der Zeitlosigkeit? • Fällt Ihnen auch auf, dass die Aufforderung, den persönlichen Code auf der Social Media Plattform einzutippen, immer häufiger erscheint? Eine gute Gelegenheit, etwas auswendig zu lernen. Das Auswendiggelernte immer wieder in Erinnerung rufen trainiert mein Gedächtnis. Texte auswendig lernen nährt meinen Geist; beispielsweise eine wegweisende Bibelstelle, die mir in Entscheidungssituationen hilft. Bin ich müde oder fehlen mir die Worte zum Beten, so steigt ein vertrautes und durchgekautes Gebet auf. Ein auswendig gelerntes Lied trällert in mir und gelegentlich aus mir heraus und wird zum Zeichen von Lebendigkeit und Freude. Probieren Sie es aus! • Was hält Sie davon ab, neue Dinge zu lernen? Fehlender Mut? Trauen Sie sich die nötigen Schritte und Abfolgen zu und beginnen Sie mit einer kleinen Übung, beispielsweise damit, nicht einfach mit dem Handy ein Foto zu knipsen, sondern ein Blatt Papier in die Hand zu nehmen. Ebenfalls ein paar Stifte. Setzen Sie sich ans Fenster oder in den Garten oder an den See. Schauen Sie, beobachten Sie, nehmen Sie wahr, was Sie sehen. Linien, die Sie erkennen, zeichnen Sie auf dem Papier nach. Formen, die auf, unter und neben diesen Linien spielen, setzen Sie dazu. Dann fügen Sie helle, dunkle Schattierungen dazwischen ... Ohne ihr Werk zu bewerten, nehmen Sie den Ausdruck, die Botschaft, die Spur auf, die zu Ihnen aus dem Bild spricht. Sr. Beatrice Kohler, Hertenstein • Ein Letztes: Lesen Sie gerne? Auch Romane? Gut formulierte Geschichten stossen Gedanken zu eigenen Geschichten und Erfahrungen an. Die Beziehung zu den Eltern ist oft Thema, besonders in Momenten, wo man sie im Sterben loslassen muss. Die Mutter-Tochter-Beziehung ist Thema u.a. in folgenden Romanen: «Die Unvollkommenheit der Liebe» von Elisabeth Strout. Dieses Buch kann Sie in eine andere Verbundenheit mit Ihrer eigenen Mutter führen. In «Mutter. Chronik eines Abschieds» von Melitta Breznik werden Sie unmerklich in den Prozess des Loslassens im Sterben hineingezogen. So bekommt vielleicht die Auseinandersetzung mit der persönlichen Endlichkeit einen Raum. Ich wünsche Ihnen einen guten Sommer!

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