10 Dr. P. Albert Ziegler SJ, Zürich Tun und lassen – Wege zur Gelassenheit Wie so oft: Am Anfang scheint alles einfach und klar. Tun ist Aktivität und bedeutet Beschäftigung. Lassen ist Passivität und besagt, dass etwas unterbleibt. Allein ein kurzes Nachdenken oder ein schneller Blick in die Wörterbücher zeigen, dass die Sachlage verwickelter ist. Das Lassen kann merkwürdigerweise zur Tätigkeit aufrufen; und die Betriebsamkeit kann zu jenem Burn-out führen, in dem alles ausgebrannt ist. Was also? Lassen – aber was? Leben ist Bewegung. Schon im Mutterleib bewegt sich das ungeborene Kind. Später lernt es begreifen, indem es mit allen Fingern nach den Gegenständen greift. Nun muss es lernen, mit den Augen die Welt zu begreifen und die Hände still zu halten. Kein Wunder, dass die erziehende Mutter immer wieder sagen muss: «Lass das sein; lass das bleiben.» Dabei kann es geschehen, dass man etwas lassen muss, was man bereits ergriffen hat. Dann lässt man los, zurück und verlässt. So ergeht es Herzog Maximilian (1459 – 1519). Er muss, Kaiser geworden, sein geliebtes Innsbruck verlassen, um in Wien zu residieren. So
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