12 Franziskanische Inputs Lieber Bruder Franz Weisst du noch, wie alles begann? Du wolltest Karriere machen, als Krieger berühmt werden und einen Adelstitel erlangen. Doch auf dem Krankenbett hat ein Traum dein Karrieredenken zerstört. Als Kriegsverletzter hast du begonnen, nach einem tieferen Sinn in deinem Leben zu suchen. Die grosse Diskrepanz zwischen arm und reich und die Machtansprüche der Kirche haben dich herausgefordert. Du wusstest nicht, was du tun oder lassen solltest. Aber du wusstest, dass sich dein Leben ändern musste, damit du wieder gesund und lebensfroh werden konntest. Hilfesuchend wandtest du dich an Gott. Als im Traum eine Stimme an dich erging, hast du sie gefragt: «Was willst du, Herr, dass ich tun soll?» Eine Frage, die du dir später oft gestellt hast. Du hast erkannt, dass du Gott und nicht der irdischen Macht dienen wolltest. Es waren vor allem zwei einschneidende Erlebnisse, die dein Leben veränderten. Du bist einem Aussätzigen begegnet. Sein Anblick hat dich angeekelt. Vielleicht hast du auch in diesem Moment gefragt: «Was soll das? Was willst du, Herr, dass ich tun soll?» Plötzlich wurde dir diese Begegnung mit dem von der Gesellschaft Ausgestossenen zu einer Gottesbegegnung. Du hast den Aussätzigen umarmt und geküsst. Was dir früher bitter vorkam, verwandelte sich in Süssigkeit, wie du es nanntest. Fortan hast du dich um Arme und Ausgegrenzte gekümmert. Später hat dich vor dem Kreuzbild der verfallenen Kirche San Damiano erneut die Frage beschäftigt: «Was willst du, Herr, dass ich tun soll?» - «Geh hin und stell mein Haus wieder her!» Diesen Auftrag hast du wörtlich genommen. Als dein Vater feststellte, dass du sein Geld zur Restauration des Kirchengebäudes und für die Armen verwendetest, hat er dich enterbt. Schliesslich hast du dich in aller Öffentlichkeit von deiner Familie losgesagt. Du hast alles losgelassen, was dir in deinem bisherigen Leben wichtig war, um das zu tun, was du als gottgewollten Auftrag erkannt hattest: Gott in völliger Armut dienen. Als sich dir Männer anschlossen, wusstest du wiederum nicht, was tun. «Niemand zeigte mir, was ich zu tun hatte», hast du gesagt. Doch Gott hat dir auch dieses Mal deine so oft gestellte Frage «Was willst du, Herr, dass ich tun soll?» – beantwortet. Er hat dir geoffenbart, nach der Vorschrift des Evangeliums zu leben. So hast du eine Ordensregel verfasst, die vorwiegend aus Bibelzitaten bestand. Du hast gelassen, was du nicht wolltest und getan, was Gott von dir wollte. Damit begann alles. Am Ende deines Lebens hast du zu deinen Brüdern gesagt: «Ich habe das Meinige getan» und ihnen ans Herz gelegt: «Was euer ist, möge euch Christus lehren.» Diesen Auftrag nehme ich ernst und frage mich: wo ist mein Schlüsselerlebnis, das mich loslassen und mich meine Aufgabe erkennen lässt? Vielleicht eine neue? Es tauchen neue Gesichter von «Aussätzigen» auf; zum Beispiel Menschen, die aufgrund der Covid-19-Pandemie von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Sei es, weil sie einsam, krank, in Quarantäne oder Isolation sind, oder weil sie ihre Arbeitsstelle oder liebe Menschen verloren haben. «Was euer ist, möge euch Christus lehren.» Danke, Bruder Franziskus! Deine Sr. Serafina «Was willst du, Herr, dass ich tun soll?» (LM 1,3) «Nachdem mir der Herr Brüder gegeben hatte, zeigte mir niemand, was ich zu tun hätte, sondern der Höchste selbst hat mir geoffenbart, dass ich nach der Vorschrift des heiligen Evangeliums leben sollte.» (Test 14)
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