baldeggerjournal

13 Psalmen Rhythmus der Gnade Sr. Renata Geiger, Baldegg «Rhythmus der Gnade» – so hat das einmal jemand genannt – nämlich «das Tun- oder Lassenkönnen im richtigen Augenblick». Rhythmus der Gnade – davon berichtet auch die Bibel in der Geschichte vom Propheten Elija. «Sei still vor dem Herrn und harre auf ihn!»1 Diese Worte singt der Engel in Mendelssohns Oratorium «Elias» dem jammernden Propheten zu, der klagt, dass all seine Arbeit umsonst und er seine Kraft vergeblich eingesetzt hat. «Werde ruhig vor dem Herrn, erwarte gelassen sein Tun»2. Dieser Vers aus Psalm 37 soll dem enttäuschten Elija Mut machen. Er hat genug. Er will nicht mehr. Er ist an die Grenzen seiner Kräfte gekommen. Vielleicht hat er manchmal auch zu sehr geeifert und zu viel von seinen eigenen Kräften erwartet, statt sich von Gott tragen und leiten zu lassen. Elija weiss es nicht. Jetzt jedenfalls ist er k.o., dem Burnout nahe. Er fühlt sich völlig elend und nutzlos und will alles vergessen, ja sogar sterben. So sehr hat er sich angestrengt und so wenig erreicht. In diese Misere hinein ruft ihm der Engel die Worte zu: «Werde ruhig vor dem Herrn, erwarte gelassen sein Tun!» Der Engel will Elija klar machen: Im Moment ist genug getan, etwas anderes ist angesagt, nämlich ruhig werden und warten, das eigene Tun lassen und sich Gƒott überlassen. Diesen Gedanken führt Psalm 37 weiter. Er will uns aufzeigen, dass es beides braucht: aktiv zu sein und zu tun und Gott zu vertrauen und ihn handeln zu lassen, eben den Rhythmus der Gnade. «Reg dich nicht auf über Menschen, die Gottes Gebote missachten!» Ps 37,1 Lass deinen Ärger los! Halte dich zurück! Überlass das Urteil Gott! Du selber aber tu das Gute, das jene nicht tun! «Vertrau auf den HERRN und tu, was recht ist,* wohne im Land und hüte die Treue!» Ps 37,3 Hab zuerst Vertrauen auf Gott, er kennt die Menschen. Vertrauen bedeutet, sich auf jemand anderen verlassen. Deshalb bedeutet es auch loslassen, loslassen der eigenen Vorstellungen und Pläne. Wer gelassen sein will, muss vieles gelassen haben. Das befreit und macht offen für neue Möglichkeiten, für Alternativen. «Werde ruhig vor dem Herrn, erwarte gelassen sein Tun!» Ps 37,7a Diese Aufforderung scheint mir sehr aktuell für unsere Zeit. Wir leben in einer «ungeduldigen Zeit». Wir wollen nicht ruhig sein und abwarten, sondern selbst bestimmen und sofort handeln. Wir möchten alles möglichst im Griff behalten und dann selbst entscheiden, was wir Gott überlassen wollen. «Werde ruhig vor dem Herrn, erwarte gelassen sein Tun!» Hier aber hören wir nichts von eigener Kraft, von erbrachten Leistungen oder Hektik. Es ist eine Aufforderung still zu sein und in all dem Trubel und dem Stress des Alltags Gott zu vertrauen und sich auf ihn zu verlassen. Der Psalm sagt es so: Vertrau zuerst auf den Herrn, sei still und warte, dann aber tu was recht ist. Bleibt die Frage: Was soll ich tun? Und vor allem, was soll ich lassen? Ich glaube: Wenn ich ehrlich in mich hineinhöre – dann weiss ich meist ganz genau, was zu tun – oder zu lassen ist. Wenn nicht – kann ich vielleicht nur noch beten: Gott, segne all mein Tun. Gutes möge daraus entstehen, für mich und andere Und schenke mir Gelassenheit, in all meinem Tun. Gott, segne aber auch mein Lassen. Gutes möge daraus entstehen, für mich und andere. Und schenke mir Gelassenheit in all meinem Lassen. Also – hilf mir den Rhythmus der Gnade zu finden! 1 Einheitsübersetzung 2016 2 Gute Nachricht 1982

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