4 Eucharistie ! «Lasset uns danken…» «Vom Denken und Danken» ist das Thema dieses Heftes. Im Blick auf «Danken» sind wir schon ganz nahe im Glaubensbereich der Eucharistie; der Gedanke vom «Denken» etwas ferner. Wenden wir uns zunächst dem Naheliegenden zu: «Eucharistie». In der Einleitung zum feierlichen Gebet – Hochgebet genannt – beten wir immer: «Lasset uns danken dem Herrn, unserem Gott.» Die Glaubenden antworten: «Das ist würdig und recht.» Das Gebet ist damit mit einem Dialog eröffnet und fährt fort: «In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, immer und überall zu danken durch deinen Sohn Jesus Christus.» Eucharistiefeier, also ein großes Dankgebet. Es ist gut, dieses Wort aus der griechischen Wurzel näher anzuschauen: «Eu-charis-tein» meint: für eine «Gabe» (charis) danke «schön» (eu-) sagen. Danken antwortet auf Beschenkt-Werden. Auch das italienische Wort verdeutlicht diese Wirklichkeit sehr schön: rin-graziare. Wer eine Gnade (grazia) empfangen hat, sagt «grazie». Der Dank ist wie ein Echo auf eine empfangene Gabe. In diesem Hochgebet der Eucharistiefeier danken wir mit allen Menschen und der Schöpfung für die großen Gaben Gottes, für das heilende und rettende Handeln Gottes an uns durch die ganze Geschichte, vor allem in Jesus Christus. Wir danken für die ungeschuldete Liebe Gottes in der Menschwerdung Seines Sohnes. Im Lobgebet an Weihnachten jubelt das glaubend liebende Herz des Menschen: «In der sichtbaren Gestalt des Erlösers lässt du uns den unsichtbaren Gott erkennen …, was kein Auge geschaut hat.» In der glaubenden Feier über den Sieg der Liebe Gottes über den Tod und alles Böse kann sich der glaubende Mensch im Danken kaum mehr zurückzuhalten: «Durch seinen Tod hat er unseren Tod vernichtet und durch seine Auferstehung das Leben neu geschaffen. Darum jubelt heute der ganze Erdkreis …» Weil Gott in Jesus Christus unser ganzes Leben umfangen hat, vermögen wir unser ganzes Leben anzunehmen – Dunkel, Freude, Schuld, selbst unsere Vergänglichkeit, Tod. In der Eucharistiefeier erinnern wir uns nicht nur an das, was Gott in Jesus Christus an uns getan hat. Nein: all das geschieht jetzt heilend an uns. Wir werden innerlich aufgerichtet. Mit Karl Rahner, dem bedeutenden Theologen des letzten Jahrhunderts, dürfen wir Liebes-Worte Gottes in unser Herz hineinflüstern hören. «Ich bin da bei dir! Ich weine deine Tränen. Ich bin deine Freude! Ich bin in deiner Angst, denn ich habe sie mitgelitten. Ich bin in deinem Tod – und ich verspreche Br. Wilhelm Germann OFMCap., Baldegg dir: Dein Ziel heißt Leben!» – Das ist der Grund, warum wir unser ganzes Leben annehmen können. Nur was wir innerlich annehmen, liebend erinnern, wird gewandelt. Was uns unendlich geschenkt wird, brauchen wir nicht ungefragt anzunehmen. Wir brauchen unser Denken nicht abzuschalten. In jeder Eucharistiefeier hören und betrachten wir im verkündeten Wort, wie Gott zu allen Zeiten an uns Menschen gehandelt hat, um uns an Seiner Liebesfülle teilhaben zu lassen. Wir erwägen und beten mit Maria, der Mutter Jesu. Die Hirten erzählen, was ihnen über das Kind Jesus gesagt worden war: «Maria dachte darüber nach» (Lk 2,19). Damit nimmt Maria die Worte in ihr Herz auf, bewegt und verbindet sie mit allem, wie Gott schon zu ihr gesprochen hat. Das Leben wird darin immer mehr vom Wort Gottes durchdrungen zu einem Leben aus Gott und für die Menschen. Dazu gibt Maria ihre Antwort aus ganzem Herzen: «Mir geschehe nach deinem Wort» (Lk 1,38). Aus diesem Nachdenken wird Lob und Dank: «Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter» (Lk 1,47). Buchempfehlung Br. Wilhelm Germann, OFM Cap., Seelsorger im Kloster Baldegg, schreibt in seiner Rezension zum Buch «Ich träume von einer Kirche der Hoffnung» von Monika Renz: Das Buch ist Ermutigung für viele, in sich und in der Kirche einen solchen Traum weiter zu träumen und zu tragen. Verlag Herder, 2020, ISBN 978-3-451-39598-7
RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=