5 Mein Leben dankt Sr. Boriska Winiger, Baldegg «Denken und danken sind verwandte Wörter; wir danken dem Leben, in dem wir es bedenken», meint der deutsche Schriftsteller Thomas Mann. Er, der unter der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 in die Schweiz emigrierte, dankt dem Leben. Auch Schwestern, die auf ein langes Ordensleben zurückblicken, haben zu danken. Was kommt ihnen in den Sinn und wofür danken sie? Wir Menschen neigen dazu, in unseren Erinnerungen immer zuerst das Schwierige und Negative hervorzuholen. Machen wir es einmal umgekehrt und zählen all das auf, was uns gelungen ist, welches unsere Stärken sind und was uns einfach gefreut hat. Wir werden staunen. Es ist doch so: «Wo viel Sonne ist, gibt es auch Schatten.» Sr. Kerstin Rast Ich danke Gott für den Mut, den er mir schenkte, auf seinen Ruf hin alles auf eine Karte zu setzen für ein Leben in klösterlicher Gemeinschaft. Seither ist die Präsenz Gottes in meinem Leben die Quelle der Kraft und der Zuversicht. Dankbar bin ich auch für meine Mitschwestern, die mit mir in der gleichen Ausrichtung unterwegs sind, mal auf ebenen – mal auf steinigen Pfaden. Sr. Cassia Müller In den vielen Ordensjahren lernte ich in Lösungen zu denken, nicht in Problemen, eine Übereinstimmung zu finden und offen zu sein für Neues. Ich bin dankbar, dass ich im Gebet die Kraft erhalte, Änderungen und Aktuelles positiv anzunehmen; dankbar, dass ich von der Gemeinschaft getragen werde trotz des Alters und der Beschwerden. Sr. Rita-Maria Wetzel Wenn ich an mein Ordensleben zurückdenke, habe ich viel zu danken. Mitschwestern, auch Mitmenschen, denen ich begegnet bin, gehen in meinen Gedanken an mir vorüber, und mit zufriedenem Herzen kann ich Gott für all das danken. Auch einige schwierige Zeiten prägten mein Leben. Selbst im Ordensleben blieben mir Durststrecken nicht erspart. Doch diese Erfahrungen haben mich gelehrt, dankbar zu sein für kleine Dinge. Ein Tautropfen auf einer Blume, ein Lächeln, der Wind in den Bäumen, Vogelgezwitscher, ein Sonnenstrahl der durch die Wolken bricht … all das erfreut mich und erfüllt mich heute mit Dankbarkeit. Heute kann ich das Vergangene mit anderen Augen betrachten. Dabei empfinde ich eine grosse Dankbarkeit für den Glauben an die Fürsorge Gottes, der mich immer getragen hat. Ich habe die Freude am Leben nie verloren und staune über die Kraft, die mir immer wieder geschenkt worden ist. Ich danke dem fürsorgenden Gott, dass er mir stets zur rechten Zeit jene Kraft schenkte, die ich nötig hatte. Sr. Ruth Gasche Ich habe so viel zu danken, für Positives und Negatives. Negative Erfahrungen haben auch ihren Sinn, weil man davon lernen kann und gestärkt daraus hervorgeht. In meinen Missionseinsätzen in Afrika und Papua Neuguinea habe ich so viel erlebt, wie man sich das in unserer kultivierten Schweiz gar nicht vorstellen kann. Ich möchte diese Erfahrungen und Erlebnisse nicht missen. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit, Gelassenheit, Zuversicht und Zufriedenheit.
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