baldeggerjournal

5 Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Wir haben sie gefunden, und zwar bei uns im Kloster Baldegg! Während 190 Jahren haben viele der über zweitausend Baldegger Schwestern bewiesen, dass es die tüchtige Frau gibt, die in der Bibel im Buch der Sprüche (Spr 31.20f) gesucht wird. Tüchtig, stark und gläubig sind prägende Eigenschaften der Baldegger Schwestern, die im Jahr 2020 ihr 190-Jahr-Jubiläum feiern können. Tüchtige Frauen: 1830 begannen sie als «Arme Schwestern im Schloss in Baldegg» arme Kinder in verschiedener Hinsicht zu fördern. Sie ermöglichten erstmals Mädchen eine Schulbildung. Es entstanden Mädchenschulen auf dem Land. So haben sie auf die Not ihrer Zeit reagiert. Unermüdlich setzten sich die Schwestern für Benachteiligte ein. Nach und nach schufen sie Ausbildungsmöglichkeiten, gründeten Schulen, Kranken- und Waisenhäuser, Armenanstalten, bauten Spitäler, Internate, Kurhäuser, Pflegeheime und vieles mehr auf. Während der beiden Weltkriege sorgten sie für Pflege und Transport von Kriegsverwundeten. 1921 reisten die ersten Schwestern nach Tansania. Es folgten bald weitere Einsätze auf den Seychellen, in Papua Neu Guinea, auf den Inseln Flores und Bali, in Äthiopien, Tschechien, Tschad und Bosnien. Sie leisteten Dienste in Pfarreien und wirkten bis 2008 im Vatikan für die Schweizergarde. An rund 260 verschiedenen Orten waren sie tätig und hinterliessen Spuren. Wir erinnern uns gerne an die Tüchtigkeit unserer Vorgängerinnen. Sie macht uns auch nach 190 Jahren noch stolz. Starke Frauen: Nicht nur die Arbeit war kräfteraubend, auch die oft grosse Armut, Krankheiten, Kriege, Auseinandersetzungen mit Verhandlungspartnern und politischen Kräften, die politischen Wirren, insbesondere im 19. Jahrhundert, die Tüchtig, stark und gläubig Sr. Zita Estermann, Sr. Nadja Bühlmann, Baldegg zur dreimaligen Aufhebung des Klosters und zur Vertreibung der Schwestern führten. All dies hinderte die Frauen nicht, ihren Einsatz für die Armen fortzuführen. Stets versuchten sie auf die Nöte der Zeit zu agieren und zu reagieren. Wahrhaft starke Frauen. Wir vergessen die Stärke unserer Schwestern auch nach 190 Jahren nicht. Gläubige Frauen: Starke Frauen haben eine Quelle, aus der sie ihre Kraft schöpfen. Die Baldegger Schwestern schöpfen ihre Kraft aus der Verbundenheit mit Gott. Im täglichen Gebet, im Vertrauen auf Gottes weise Vorsehung, leben und wirken sie nach dem Vorbild des Hl. Franziskus von Assisi. Sie tun dies im Wissen, dass es nicht in ihrem Ermessen ist, ob der Samen, den sie ausstreuen, aufgeht oder nicht. Vertrauensvoll, verwurzelt im Glauben und aktiv im Dienste Gottes, waren und sind sie da für die Mitmenschen. Wir gehen unsern Weg weiterhin gläubig im Vertrauen auf Gottes Vorsehung. Und heute? Es ist gut, sich zu erinnern, denn die Zukunft ist in unsere Erinnerung eingebettet. Die Erinnerung erfüllt uns mit Dankbarkeit und Hoffnung, schenkt Zuversicht. Auch heute gibt es sie in der Kirche, in den Klöstern und in der Welt: Die tüchtige, die starke und die gläubige Frau, die sich einsetzt für Gerechtigkeit und Frieden, im privaten und öffentlichen Leben, in der Familie. Wir Baldegger Schwestern versuchen dies in unserer Gemeinschaft. Und Sie? Woran erinnern Sie sich gerne? Wo erlebten Sie sich als tüchtig und stark? Wo schöpften Sie die nötige Kraft? Lassen auch Sie sich Zuversicht schenken durch ihre eigene Erinnerung.

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