baldeggerjournal

7 Mit der Erinnerungs-App werde ich von meinem iPhone zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Tag an ein Ereignis erinnert, das ich zuvor eingetragen habe. Anstehende Geburtstage gehen also nicht mehr vergessen, an die Einladung zu einem Essen werde ich bereits am Vortag durch eine Push-Benachrichtigung auf dem Handydisplay erinnert und für den nächsten Sitzungstermin habe ich alle notwendigen Unterlagen bereits dabei. In der heutigen digitalen Welt werde ich also fortlaufend erinnert, um nichts zu vergessen! So hat auch das Kirchenjahr seine festen Termine. Im Frühling, wenn die Natur erwacht, steht Ostern im Terminkalender. Wenn der Sommer zu Ende geht, erinnern wir uns an den Reichtum der Schöpfung und halten Erntedank. Im Herbst, wenn es neblig wird und die farbigen Blätter der Bäume zur Erde fallen, begehen wir das Fest Allerheiligen. Und in der dunkelsten Zeit des Jahres feiern wir Weihnachten. An Weihnachten, dem ersten grossen Fest im Terminkalender des Kirchenjahres, erinnern wir uns das Versprechen Gottes: Ich bin da, auch in den Dunkelheiten des Lebens. Und diese Zusage will mir Licht sein, wenn ich in meinem Lebensalltag nicht mehr weiter weiss, weil ich die Arbeitsstelle verloren habe, weil Beziehungen schwierig werden, weil Krankheit und Unglück schwer zu ertragen sind. Natürlich ist diese Zusage nicht nur in der Weihnachtszeit gültig. Sie gilt jeden Tag in meinem Leben. Und so gehen wir mit diesem Jesus weiter auf dem Weg des Kirchenjahres. An den Sonntagen begegnen wir in den Evangelien einem Jesus, der Menschen aufrichtet, wenn die Last des Lebens ihren Rücken gekrümmt hat. Er heilt Blinde, damit sie wieder den Durchblick bekommen. Anderen hilft er, dass sie Sr. Karin Zurbriggen, Baldegg Erinnerungs-App mit dem, was sie im Leben lähmt, einen neuen Umgang finden können. Es gibt aber auch jene schwierigen Tage im Kalender des Kirchenjahres, an welchen wir an Verrat, Verleugnung, Verurteilung und Kreuzigung erinnert werden. Der Tod holt uns ein. Immer wieder, auch in meinem Leben. In solchen schwierigen Situationen zu glauben, dass Gott mit uns ist, fällt oft sehr schwer. Wir werden gezwungen, solche Situationen von Ausweglosigkeit und Trauer auszuhalten. Dann stellt sich die Frage: Wo ist jetzt «Unser Gott mit uns»? Aber auch diese Zeit im Kirchenjahr birgt die Zusage Gottes: Auch jetzt ist Gott da. Er zieht sich nicht zurück. In allen Ausweglosigkeiten ist er da. Ja, noch mehr! Das Kirchenjahr will uns daran erinnern, dass wir hier nicht stehen bleiben dürfen. Das letzte Wort hat das Leben! Ostern! Auferstehung will uns öffnen für die Erfahrungen in unserem Leben, wo wir Jesus als Lebenden erfahren und er uns fähig macht – zusammen mit den Jüngerinnen und Jüngern, die dem Auferstandenen damals begegnet sind – das Leben zu feiern. Diese Push-Benachrichtigungen, dass das Leben immer stärker sein wird als alles Todbringende auf dieser Erde, ist eine Botschaft, die immer neu gefeiert werden will, nicht nur an Ostern, sondern jede Woche an jedem Sonntag. Das Kirchenjahr ist meine Erinnerungs-App, damit ich in allen Situationen meines Lebens nicht vergesse: ER ist DA!

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