8 Dr. P. Albert Ziegler SJ, Zürich Der Knopf im Nastuch Die Gefahr drohte, etwas zu vergessen, was man nicht vergessen wollte oder nicht vergessen sollte. Man wusste sich zu helfen, um der Gefahr zu begegnen. Man machte einen Knopf ins Nastuch. Das war ein wirksames Erinnerungszeichen, denn man trug das Nastuch als Taschentuch immer bei sich. Da man während des Tages immer wieder in die Tasche griff, kam man mit dem Erinnerungszeichen des Knotens immer wieder in Berührung. Das war einmal. In die Papiertaschentücher von heute kann man keine Knoten knüpfen. Doch jetzt hat man ein I-Phone. Ein Knopfdruck genügt und man wird an das erinnert, was man hier und jetzt und auch morgen und übermorgen nicht vergessen sollte. So einfach war es früher und ist es heute. Doch sobald man über das Erinnern und Vergessen nachdenkt, wird es schwieriger. Es beginnt schon bei der Voraussetzung der Erinnerung. Die Voraussetzung: Verinnerlichen «Ich ging im Walde / So für mich hin / Und nichts zu suchen / Das war mein Sinn.» Da geht also Goethe gedankenlos oder gedankenvoll durch den Wald. Er ist mit nichts oder mit sich selbst beschäftigt. Auf jeden Fall nimmt er seine Umwelt nicht wahr. «Im Schatten sah ich / Ein Blümchen stehn / Wie Sterne leuchtend / Wie Äuglein schön.» Ein Blümlein erregt seine Aufmerksamkeit. Er bleibt Vom Erinnern und Vergessen
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