Glauben & Beten 17 Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Ins Kloster zu gehen war schon immer mein Ziel. So bin ich 1967 in Baldegg eingetreten. Ich wollte Gott dienen und für die kranken Menschen da sein. Wo bist du daheim? Das Kloster ist meine zweite Heimat geworden. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte? Als Kind durfte ich hin und wieder zu einer Tante in die Ferien. Wenn ich wieder heimkam, zeigten meine Eltern und Geschwister immer grosse Freude, umarmten und küssten mich. So viel Liebe zu erfahren hat mein ganzes Leben geprägt. Wer ist dir Vorbild? Meine Eltern. Wir waren eine grosse Familie, und Vater und Mutter betrachteten jedes Kind als Geschenk Gottes. Das bekamen wir Kinder zu spüren. Wer lehrte dich glauben? Wir wohnten nahe bei der Kirche und beim Pfarrhaus. Unser Vater war Lehrer und Organist und legte Wert darauf, dass wir im Kirchenchor mitsangen. Selbstverständlich war auch, dass wir in der Marianischen Kongregation aktiv dabei waren. Unsere Mutter amtete viele Jahre als Präsidentin des katholischen Frauenbundes und hatte in der Gemeinde verschiedene soziale Aufgaben inne. Unser Alltag war bestimmt vom kirchlichen Leben. Die Schule begann z.B. später, wenn am Morgen eine Beerdigung angesagt war. Der Höhepunkt eines jeden Festes war der Gottesdienst. So wurde mein Glaube geprägt und genährt. Ich nahm diese Glaubenserfahrungen wie ein Geschenk mit ins Leben. Welche Farbe hat dein Glaube? Keine. Der Glaube ist für mich eine Haltung. Was bedeutet dir glauben? Das folgende Zitat von Papst Benedikt beeindruckt mich sehr. Glauben bedeutet: «Ein Leben lang die Unbegreiflichkeit Gottes aushalten.» Wer ist Gott für dich? Für mich ist Gott der, der die Welt in Händen hält. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes? Ich habe schon unzählige Male die Vorsehung Gottes in meinem Leben erfahren. Die sind so persönlich, dass ich Mühe habe, sie niederzuschreiben. Gibt es auch Zweifel? Ja. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie; aber hier beginnt der Glaube. Wie betest du? Sehr gerne bete ich in der Gemeinschaft. Auch das persönliche Gebet bedeutet mir viel, wofür ich mir, wenn immer möglich, auch Zeit nehme. Zudem betrachte ich Gebet und Arbeit als Einheit. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Franziskus hat ein einfaches und armes Leben geführt. Daher sind für mich Einfachheit und Anspruchslosigkeit wichtig. Welches Wort aus der Bibel begleitet dich durch das Leben? Die Worte Jesu, die er zu den Jüngern wiederholt gesagt hat, begleiten mich stets: «Friede sei mit euch, fürchtet euch nicht. Ich bin es.» Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest? – Das Zitat von Victor Hugo fasziniert mich: «Glauben ist schwer, nicht glauben unmöglich.» – Wenn es einmal im Leben noch so aussichtslos scheint, zeichnet sich immer eine Lösung ab. Sr. Ilga Winiger, 1944, aufgewachsen als jüngstes von acht Kindern in Eich LU. Nach der Primar- und Sekundarschule hauswirtschaftliche Fortbildung und Fremdsprachenaufenthalte. 1964 –1967 Ausbildung zur Krankenschwester an der Baldegger Schule für Krankenpflege in Sursee, 1967 Eintritt ins Kloster Baldegg. 1969 –1972 Ausbildung als Intensiv- und Anästhesieschwester im Kantonsspital Luzern. Anschliessend Tätigkeit als Anästhesieschwester in den Spitälern Sursee, Wolhusen und Brig. Berufsbegleitende Weiterbildung in Führungsaufgaben und im fachspezifischen Bereich. 1993 –2004 hauswirtschaftliche Betriebsleiterin in den Bildungshäusern Dulliken und Hertenstein mit berufsbegleitender Weiterbildung an der hauswirtschaftlichen Betriebsleiterinnenschule in Baldegg. Ab 2004 Einsatz im Pflegeheim Baldegg und seit 2019 im Verpflegungsbereich im Mutterhaus tätig.
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