baldeggerjournal

6 Ich staune, dass ich es immer ausgehalten habe in schweren Zeiten. Ich weiss, Gott hat mich immer geführt und hat mir viel Kraft gegeben. Wie geht es wohl weiter mit unserer Gemeinschaft? Bin ich fähig, alles anzunehmen, was sich ändern wird? Sr. Silvianne Joller Ich staune, wenn ich an die vielen Begegnungen denke, die mich gestärkt und bereichert oder herausgefordert haben. Ebenso wie ich loslassen konnte: Aufgaben, Häuser, geliebte Menschen. Ich staune, wie Mitschwestern zu ihren Altersbeschwerden und Krankheiten «Ja-sagen» können und wie wir es immer wieder schaffen, unsern Weg gemeinsam weiterzugehen, trotz grosser Verschiedenheit. Im Rückblick auf 50 Ordensjahre frage ich etwa, ob diese oder jene Entscheidung richtig war. Aber da halte ich mich lieber an das Wort von Abt Urban Federer: «Bei der Vergangenheit muss die Barmherzigkeit Gottes kommen; die Zukunft überlasse ich der Göttlichen Vorsehung». Sr. Zita Estermann In diesen 50 Jahren hatte so viel Platz! Vieles ist anders geworden, ich konnte daran wachsen. Mit vielen Menschen bin ich ein Stück des Weges gegangen, und so sind wunderbare Beziehungen entstanden. Manchmal staune ich, dass ich unter lauter Frauen, die ich nicht ausgewählt habe, so zufrieden und sehr glücklich leben kann, vielleicht, weil mein Innerstes unantastbar immer Gott gehörte. Ich danke Gott dafür, dass er mich nie allein gelassen hat. Für mich steht die grosse Frage im Raum, wie es unserer Leitung und uns zweihundert Schwestern mit einem Durchschnittsalter von ungefähr 80 Jahren gelingt, die Zukunft richtig zu gestalten. Diese Frage überlasse ich der göttlichen Vorsehung und geniesse jeden Tag, jede Woche, jeden Monat und jedes Jahr, das mir geschenkt ist. Ich hatte ein wunderbares Leben. Sr. Jolenda Elsener Wenn ich zurückblicke staune ich, wie wir versucht haben, uns den sich verändernden Situationen in Gesellschaft und Kirche sinnvoll anzupassen, immer wieder neue Visionen zu entwickeln, diese anzupacken und umzusetzen. Bezüglich der Zukunft frage ich mich, ob wir das Kleinerwerden der Gemeinschaft auch als Chance sehen, sodass wir weiterhin franziskanisch «treu leben, beten und arbeiten» miteinander verbinden und in Einfachheit und Vertrauen leben, um den Menschen nahe zu bleiben. Sr. Imelda Kaufmann Wenn ich an die vergangenen 50 Jahre denke, staune ich über vieles nicht mehr. Ich staune nur, dass der liebe Gott mir die Gnade geschenkt hat, auf diesem Weg zu bleiben. Da für mich vieles selbstverständlich ist, schlage ich mich nicht mit tausend Fragen herum. Sr. Ilga Winiger Ich staune, wie Gott mich immer wieder auf dem Weg geführt hat. Er hat mich reich mit vielen Gnaden beschenkt, um auf dem Weg der Berufung zu bleiben. Und trotzdem frage ich etwa: Habe ich mich immer leiten lassen vom Hl. Geist in Zeiten der Dunkelheit? Sr. Aegidia Schlienger Ich staune, dass meine Kräfte mit vollem Einsatz bis heute gereicht haben, und ich dabei soweit gesund geblieben bin. Und ich frage mich, ob ich «Wesentliches» gelebt habe in meinen 50 Ordensjahren. Sr. Andreas Rieder Trotz meiner Fehler und Schwächen hat mich Gott treu durch die 50 Jahre Ordensleben begleitet und gestützt. Das bringt mich zum Staunen. Manchmal frage ich mich: Warum lässt Gott zu, dass wenige junge Menschen den Weg ins Kloster finden? Was will er uns damit sagen? Sr. Marie-Helene Lampart Viele unvergessliche und sehr bereichernde Begegnungen, Erlebnisse und Möglichkeiten waren mir in diesen Jahren geschenkt, dazu auch viele abgeklärte, weise und in Gott ruhende Mitschwestern. Trotzdem frage ich mich hie und da: Warum wird so viel gejammert, geklagt und kritisiert? Warum scheint es so schwierig, ja unmöglich, das Gute auch in der Mitschwester zu sehen und sich darüber zu freuen? Sr. Iniga Affentranger Jubilarinnen 2019 Goldenes Staunen und Fragen Vor kurzem feierten wir mit neun Schwestern einen besonderen Festtag in Baldegg. Vor 50 Jahren haben sie versprochen, für immer Baldegger Schwester zu sein. Worüber staunen sie nach diesen Jahrzehnten? Und welche Fragen beschäftigen sie heute?

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