baldeggerjournal

8 Dr. P. Albert Ziegler SJ, Zürich Staunen und Fragen ... denn seit Wochen fragen die Kinder, was ihnen das Christkind wohl bringen werde. Am Weihnachtsabend bestaunen sie den Christbaum im Lichterglanz und vergessen vielleicht sogar die Geschenke auszupacken. So einfach können Kinder staunen und fragen. Es gibt ein eigentliches Fragealter, wo die Kinder den Eltern und Erziehern ein Loch in den Bauch fragen. Auch können Kinder Bauklötze staunen, wie die Berliner sagen. Sei es, dass damit die glänzenden Augen der Kinder gemeint sind, die vor lauter Staunen so gross werden wie Bauklötze; sei es, dass man an wirkliche Bauklötze denkt, mit denen die spielenden Kinder kleine, aber staunenswerte Kunstwerke zu errichten verstehen. Wir Erwachsenen haben es schwerer. Wir müssen nachdenken, um besser zu begreifen, was Staunen und Fragen bedeutet und wie beide zusammenhängen. Beginnen wir das Nachdenken mit dem Staunen. Das Staunen bleibt stehen Was also bedeutet Staunen? Eine erste Auskunft gibt das Wort. Merkwürdigerweise stammt es (als stune oder erstune) aus dem Schweizerdeutschen. Erstaunen begegnet uns schon in der reformatorischen Zürcher Disputation von 1523. Dem Staunen hat Albrecht von Haller Eingang ins Hochdeutsche verschafft. Sind also die Schweizerinnen und Schweizer besonders staunenswerte Menschen, oder gibt es in der Schweiz mit dem Blick von Berg und Tal auf die leuchtenden Gletscher besonders viel zu bestaunen? Jedenfalls tun wir gut daran, das Staunen nicht zu verlernen und weiterhin zu singen: «Lueget vo Berg und Tal.» Das BaldeggerJournal erscheint zur Weihnachtszeit. Zeit für das Staunen und Fragen ...

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