baldeggerjournal

13 Psalmen Was ist der Mensch? Sr. Renata Geiger, Baldegg Das ist die Frage, die die Menschen seit jeher umtreibt. Ganze Bibliotheken sind zu diesem Thema geschrieben worden. Viele haben versucht eine Antwort zu finden, wie zum Beispiel: «Der Mensch ist das Geschöpf, das nach oben gewandt ist», sagt Luise Rinser. «Der Mensch ist ein Wesen auf der Suche nach Sinn», so definiert der Psychiater Viktor Frankl den Menschen. «Der Mensch ist das scheiternde Wesen», meint Karl Rahner und der hl. Franziskus von Assisi ergänzt: «Der Mensch ist Gottes Ebenbild, in dem Gott um seiner selbst willen geehrt sein will.» Was ist der Mensch? Auch der Psalmendichter befasst sich mit dieser Frage. Er stellt sie aber nicht im leeren Raum, sondern im Zusammenhang mit Gott. Gottes Grösse Die Frage nach dem Menschen folgt aus dem Staunen über die Grösse und Herrlichkeit Gottes. Sie übersteigt alles Begreifen. Die Frage nach dem Menschen kann also nicht ohne die Frage nach Gott beantwortet werden. So wenigstens versteht es Psalm 8. HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde. Psalm 8,2 So beginnt der Psalm und in diesem Kontext finden sich dann grundlegende Ausführungen über das Menschsein. Das ist kein Zufall, denn der Psalm will nicht diese oder jene Eigenschaft des Menschen aufzeigen, sondern er will über den Menschen vor Gott und in seiner Beziehung zu Gott sprechen. Und damit will er das Wesentliche, das existentiell Wichtige über den Menschen aussagen. Was ist nun dieses Wesentliche, das uns Psalm 8 über den Menschen sagen will? Der Psalm beginnt, wie schon gesagt, mit einem Lob des Schöpfers, mit einem Staunen über die Schöpfung. «HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde. Psalm 8,2 Und entsprechend schliesst der Psalm: «HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!» Psalm. 8,10 Innerhalb dieses Rahmens wird dann die Frage nach dem Menschen gestellt. Des Menschen Grösse Die Aussage über den Menschen beginnt nicht mit einer Definition, sondern mit einer Frage: «Was ist der Mensch?» Diese Frage lässt sich aus der Sicht des Psalmisten nicht vom Menschen aus beantworten, sondern nur im Blick auf Gott. Die Frage «Was ist der Mensch» bleibt für ihn eine ganz und gar offene Frage, weil sie an Gott gerichtet ist: «Was ist der Mensch», und er fährt dann weiter, «dass Du, Gott, seiner gedenkst?» Psalm 8,5 Der Mensch ist gehalten vom Gedenken Gottes. Er hat seine Würde von Gott her. «Du hast ihn wenig geringer gemacht als Gott.» Psalm 8,6a Man hört ein Staunen ob dieser Aussage, denn obwohl das Lob der Herrlichkeit Gottes den Ton angibt, wird der Mensch nicht klein gemacht. Im Gegenteil, «er ist nur wenig geringer gemacht als Gott» und sogar «mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.» Psalm 8,6b Gottes Grösse und des Menschen Grösse gehören zusammen. So zeigt uns Psalm 8 die Grösse des Menschen, aber er weist uns zugleich darauf hin, dass das Leben des Menschen nur gelingen kann, wenn das Lob der Grösse des Menschen nicht ohne das Lob Gottes erfolgt, wenn es davon gleichsam eingerahmt bleibt.

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