Glauben & Beten 17 Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Meine Berufung war ein Prozess, der über Jahre dauerte. Eines Tages verspürte ich klar den Ruf Gottes in meinem Inneren und ich entschied mich, ihm zu folgen. Ich fühlte mich zur Spiritualität der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung hingezogen und so trat ich im Mai 1967 ins Kloster Baldegg ein. Wo bist du daheim? Überall dort, wo ich mich aufgehoben und angenommen fühle. Es sind auch Orte, wo ich Unterstützung und Bestätigung erfahre. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte? In unserem Weiler, wo ich aufgewachsen bin, war es im Sommer Brauch, am Sonntagabend den Rosenkranz betend zu einem Bildstock zu pilgern. Wenn wir in die Nähe des Bildstockes kamen, ging ich voraus und zündete in dessen Innern Kerzen an. Am Samstag vorher sorgte ich an diesem Ort für Sauberkeit und Blumenschmuck. Dies tat ich sehr gerne und bleibt mir in lieber Erinnerung. Wer ist dir Vorbild? Meine Vorbilder sind die Muttergottes, der Hl. Bruder Klaus und die Hl. Theresia von Lisieux. Täglich bete ich zu ihnen. Sie gingen ihren Weg in grosser Treue, was mich anspornt, es ihnen gleichzutun. Wer lehrte dich glauben? Ich bin in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen. Dort gehörten das tägliche Gebet, der Gottesdienstbesuch und das Feiern der kirchlichen Feste zum Alltag. So erlebte ich Wachstum im christlichen Glauben. Welche Farbe hat dein Glaube? Mein Glaube hat eine bunte Farbe. Mal ist er grün und voller Hoffnung, mal ist er rot und gelb und sprüht vor Freude. Er kann aber auch braun und dunkel sein, wenn mich Unsicherheiten bedrängen. Was bedeutet glauben? Mir gibt der Glaube die Gewissheit, von Gott gewollt und in seiner Hand geborgen zu sein. Er lässt mich in die Tiefe Gottes hineinwachsen und Frieden finden.. Wer ist Gott für dich? Gott ist für mich der Dreifaltige. Auf seine Stimme will ich in meinem Herzen hören und ihm folgen. Wenn ich tue, was er von mir will, bin ich glücklich, und dieses Glück ist ein Geschenk von ihm. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes? Es gibt verschiedene Erfahrungen, die ich mit Gott gemacht habe und immer wieder mache. So hilft er mir, wenn ich ein Problem oder Schwierigkeiten habe. Ich muss in der Stille auf ihn hören und ich erfahre seine Weisung. Dieses Hören auf Gott gibt mir Zuversicht und führt mich hinein in die Gemeinschaft mit ihm. Gibt es auch Zweifel? Von grossen Zweifeln bin ich mein Leben lang verschont geblieben. Doch ich habe schon auch Fragen, die manchmal unbeantwortet bleiben. Diese lasse ich stehen und betrachte sie als ein Geheimnis Gottes. Ich hoffe jedoch, im andern Leben eine Antwort zu bekommen. Wie betest du? Wenn ich bete, richte ich mich auf Gott aus, an den ich glaube. Ich öffne mich ihm und lasse ihn sprechen. Diese Ausrichtung ist zentral. Und so wird alles, was ich tue zum Gebet. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Ich staune stets von neuem über die Armuts- und Demutshaltung von Franziskus. Seine Liebe und Aufmerksamkeit für die Schöpfung sind mir Ansporn, Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen. Welches Wort aus der Bibel begleitet dich durch das Leben? Seit meinem Noviziat begleitet mich aus dem Psalm 32 der Vers: «Ich unterweise dich und zeige dir den Weg, den du gehen sollst. Ich will dir raten; über dir wacht mein Auge.» Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest? Gott ist neu und voller Erbarmen. Er verlässt uns nie. Ein durchgetragenes Ordensleben schenkt Freiheit, Freude und tiefen Frieden. Sr. Marie-Helene Lampart, 1944, aufgewachsen mit vier Brüdern in Mauensee LU. Ausbildung zur Krankenschwester an der Baldegger Schule für Krankenpflege in Sursee, 1967 Eintritt ins Kloster Baldegg. Anschliessend Einsätze in der Pflege und im Unterricht in den Spitälern Sursee, Vevey und Wolhusen; ab 1999 Leitung Pflegedienst im Oberwalliser Alters-, Pflege- und Behindertenheim St. Josef in Susten VS. Seit 2008 arbeitete Sr. Marie-Helene auf der Pflegeabteilung des Klosters Baldegg mit und ist neu im Verpflegungsbereich tätig.
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