Geschrieben hat diese Sonntags- und Samstagsbriefe Dr. P. Werner Hegglin für die Weggiser Wochenzeitung. Christoph Schwyzer, sein ehemaliger Schüler, hat sie gesammelt und in einem ansprechenden Buch veröffentlicht. Bis 2013 war P. Werner Hegglin im Bildungshaus Stella Matutina in Hertenstein mitverantwortlich für den Bildungsbereich. In dieser Zeit schrieb er auch regelmässig einen Artikel für unser BaldeggerJournal. Sein Buch trägt den schönen Titel «Menschsein ist schon ein Beruf», 560 Seiten, gebunden, farbiger Innenteil; CHF 40.– (plus Porto und Verpackung) und ist direkt über Christoph Schwyzer zu beziehen (chris.schwyzer@bluemail.ch; Telefon 041 349 50 30). Sie können es auch direkt im Klosterladen in der Klosterherberge in Baldegg kaufen. 8 Sr. Marie-Ruth Ziegler, Baldegg Briefe, die bewegen Kürzlich habe ich über 400 Briefe geschenkt bekommen, alle aufs Mal, signiert und fein säuberlich geordnet. Wunderschön verpackt in einen Umschlag mit einem vor wilder Bewegung und Farbe sprühenden Bild. Immer beginnen die Briefe mit der gleichen Anrede: Liebe Leserin, lieber Leser, nie umgekehrt. Ich muss gestehen, diese Briefe bergen ein gewisses Suchtpotential: Ich kann kaum in mein Zimmer gehen, ohne rasch in das aufgeschlagene Buch zu schauen. Nur einen Brief sage ich mir dann, der liest sich ja schnell. Doch so schnell lässt einen das Erzählte dann doch nicht los. Wie sollte es auch, wenn ich beim Lesen aufgefordert werde, ein Pendel herzustellen, um zu erleben, wie es sich anfühlt, «frei und fröhlich hin und her zu schwingen». Damit nicht genug: der Briefschreiber will, dass ich noch vom Sicherheitswahn unserer Zeit lese, um dann an Jesus zu denken, der mich einlädt, mehr Vertrauen zu wagen und die Pendelsicherheit dabei nicht zu vergessen. Wer könnte da gleich zur Tagesordnung übergehen? Der Briefschreiber ist ein begnadeter Erzähler, er berichtet erst von Alltäglichem, Bekanntem und Vertrautem. Unvermerkt werde ich hineingezogen in die Geschichte von der Handsäge seines Vaters oder sehe den Faltenrock der Grossmutter vor mir, den man damals Plissee nannte. Ich erlebe den Bettag mit, Ostern und Pfingsten, ich höre das Lamentieren der Leute im vollgestopften Pendlerzug, lerne etwas über die Gesteinsfaltung des Pilatus und etwas über Leute, die sagen, sie seien katholisch, aber nicht heftig. Die Sonntagsbriefe führen zügig über das Vordergründige hinaus, auch wenn Zwischentitel wie «Das Bad», «Die Dusche», «Erfolg und Misserfolg», «Land», «Meer», «Überraschend», «Überwältigend», « Unheimlich» dies nicht unbedingt vermuten lassen. Würden Sie da nicht neugierig weiterlesen wollen? Das Einfache hat es in sich. Es ist der Denkraum dieses Lehrers, Philosophen und Theologen. Behutsam und selbstverständlich zugleich zielen die Briefe zum Glaubensfunken im Herzen der Leserinnen und Leser, sie stellen Sperriges aus den Evangelien in das Umfeld der Leserschaft und geben überraschende Einblicke ins Empfinden des Verfassers. Das liest sich dann etwa so: «Ich muss gestehen, ich vermisse Jesus.» Oder: «Was aber heisst Platz machen für das Himmelreich? Im Laufe meines Lebens habe ich gemerkt, ich kann dies nicht gut.» Damit werden die Briefe zur Nahrung für die Seele, schön portioniert, sie sollen für eine ganze Woche reichen. Oder finden Sie nicht auch, dass das kleine Gedicht von Werner Lutz, das er an einen Briefschluss stellt, Nahrung für eine Woche bietet? Über die Luftlinie nachdenken Und die Schuhe fragen Wie es weitergehen soll. Worte sind also wie ein Kraftwerk. Sie sind energiegeladen. Energie ist die Kraft, die das Leben bewegt. Seit 2006 bewegen diese Sonntagsbriefe die Leserschaft am Vierwaldstättersee und jetzt bestimmt jene, die sie gebündelt in Buchform in Händen halten. Worte lösen Bewegungen aus, manchmal kleine Gewitter, hie und da Freudensprünge. Sie führen in die Gedankenwelt des andern, verbinden Menschen, Raum und Zeit, Himmel und Erde. So, dass «sogar das Gold der Abendsonne», von dem in einem Brief steht, «dass es sich auf dem Vierwaldstättersee ausbreitet», mein eigenes Herz wärmt.
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