13 Psalmen 121 – Gottes Notfallnummer für unterwegs Sr. Renata Geiger, Baldegg Haben Sie gewusst, dass es auch bei Gott so etwas wie Notfallnummern gibt? Eine können Sie sich ganz leicht merken. Nicht 144 wie die Ambulanz, nicht 117 wie die Feuerwehr oder 118 für die Polizei, nein – es ist die 121. Sie können sie leicht finden. Es braucht kein Smartphone dazu, sondern einfach eine Bibel. Und dort gibt es nur ein Buch, das mehr als hundert Kapitel hat, nämlich das Buch der Psalmen. Schlagen Sie ihn auf, den Wallfahrtspsalm 121 – immer wenn Sie unterwegs sind, Hilfe brauchen und sich deshalb die Frage stellen: «Woher kommt mir Hilfe?» Schon vor mehr als 2000 Jahren haben Menschen dieselbe Frage gestellt. Woher kommt mir Hilfe, wenn ich unterwegs bin? Zurzeit der Psalmen war Jerusalem das religiöse Zentrum Israels. Hier stand der Tempel. Hier fand Gottesbegegnung statt, hier wurde Versöhnung geschenkt und hier wurden die grossen religiösen Feste des Volkes gefeiert. Es war religiöse Pflicht zu diesen Festen nach Jerusalem hinauf zu pilgern. Den Weg konnte man nicht verfehlen, denn Jerusalem liegt hoch in den jüdischen Bergen. Aber es war eine Wallfahrt durch die Jerusalem umgebenden judäischen Berge und durch die Wüste mit beängstigenden Perspektiven: wilde Tiere, tiefe Schluchten, gefährliche Menschen. In diese Situation hinein, bei diesem ungewissen Aufstieg ruft der Psalmist seine Frage: «Wer wird mir helfen, diesen gefährlichen Weg hinauf nach Jerusalem zu bewältigen?» Viele Pilger werden damals diese Frage gebetet oder gesungen haben: «Woher kommt mir Hilfe?» Und ihre Frage blieb nicht ungehört. Sie bekamen eine Antwort und waren überzeugt: «Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.» Mit jedem Schritt, den er tut, mit dem Blick auf den gefährlichen Weg vor ihm, wird sich der Pilger im Bereich dessen befinden, der das alles geschaffen hat. Die Hilfe kommt von einem Gott, der alles umfasst, Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, das Sichtbare und Unsichtbare. Und dieser Gott kümmert sich um die Menschen, die da auf dem Weg zu seinem Heiligtum sind. Das zeigen die Aussagen, die im Psalm über ihn gemacht werden. Es war dem Psalmisten anscheinend wichtig zu beschreiben, wer genau dieser Gott ist und wie seine Hilfe aussieht auf unserem Weg. Er stellt uns sein Wesen und seine Eigenschaften vor Augen, damit wir sicher sein können, dass der, der unsere Hilfe sein will, uns auch wirklich helfen kann und wir uns auf ihn verlassen können. Welche Hilfeleistungen werden dem Pilger denn versprochen? «Er lässt deinen Fuss nicht wanken» (Ps 121,3a) auf dem rauen, steinigen Boden der Wüste oder im alltäglichen Leben. Und was ganz wichtig ist, darum wird es sogar zweimal erwähnt: «Er schläft und schlummert nicht. Nein, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht», (Ps 121,3b.4) er ist immer da, auf ihn ist Verlass. Rund um die Uhr ist er da und ansprechbar. «Er gibt dir Schatten» (Ps 121,5a) in der heissen baumlosen Wüste. «Er steht dir zur Seite» (Ps 121,5b), wenn du erschöpft bist von der Hitze und dem langen mühsamen Weg und nicht mehr weiterkommst. «Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden, noch der Mond in der Nacht» (Ps 121,6), er wacht also Tag und Nacht über dir. «Er behütet dich vor allem Bösen» (Ps 121,7), was immer damit gemeint ist. Im Vertrauen auf diese Notfallnummer Gottes lässt es sich gut unterwegs sein. Er ist immer da, auf dem Weg nach Jerusalem und auf unserer Lebensreise. «Er behütet uns, wenn wir fortgehen und wenn wir wiederkommen von nun an bis in Ewigkeit.» (Ps 121,8)
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