5 ICH SAH Ich sah wie die Häuser die Farbe verloren Und sah wie der Himmel die Farbe behielt Und sah wie man stirbt und wie man geboren Wie sommers die Ströme ihr Wasser verloren Und wie man gläserne Marmeln verspielt Der andere grosse Resonanzraum ist doch unser Zusammenleben in dieser Welt, in der kleinen und grossen. TB Resonanzfelder in der Poesie, schreibst Du? Nehme ich auf! Gerne mache ich das im meteorologischen Kontext am Beispiel von Hermann Hesses letzter Strophe seines Gedichts «Im Nebel»: Seltsam, Im Nebel zu wandern! Leben ist Einsamkeit. Kein Mensch kennt den andern. Jeder ist allein. Ich mag diese Zeilen, weil ich Nebel mag – und weil Hesse hier meine Empfindung wiedergibt: Ich mag Nebel, weil er mich abschottend, beschützend, behütend umgibt und mich in meinen eigenen Resonanz-Raum eintauchen lässt. Wandere im Nebel – und dein Leben ist ungestört! Bezogen auf deine Erwartung oder gar Forderung nach Resonanzfähigkeit als Voraussetzung für die Verbindung von Innen nach Aussen (und vice versa) widerspricht dir Hesse aber mit diesem Gedicht: Du setzt den inneren Resonanz-Raum als Sende- und Empfangsstelle für den Kontakt nach aussen. Hesse dagegen scheint den Kontaktabbruch mit der Aussenwelt zu zelebrieren. Abschottung zum Zweck der Resonanz ausschliesslich in der eigenen inneren ‹Bubble›. Ein gefährliches Spiel, das in der heutigen Welt immer mehr Überhand gewinnt. Der jüngst vergebene Nobelpreis in Physik lässt mich aber aufhorchen. Er stärkt die Position deines Anspruches «Alles was ist, hat eine bestimmte Frequenz, schwingt auf seine Weise mit, stimmt sich auf andere Schwingungen ein»: Die diesjährigen Preisträger befassen sich mit einem speziellen Phänomen der Quantenphysik, der sogenannten ‹Quantenverschränkung›. Das Grundprinzip: Elementarteilchen können energetische Hürden überwinden und aufeinander instant reagieren, obwohl sie weit voneinander entfernt sind. Bereits Einstein hat sich mit diesem Problem befasst und dieses Phänomen als ‹spukhafte Fernwirkung› bezeichnet. Ich rede hier nicht von Geistern. Ich rede von ‹geheimnisvoller Beziehung›, von der Resonanzfähigkeit, wie du es definierst. Inklusive der Erwartung, dass jeder Impuls von der einen Seite einen neuen, eigenständigen Impuls auf der anderen Seite auslöst. So erst bricht die ‹Bubble› auf – und führt zu einer reflektierten ‹resonanten› Weiterentwicklung! HW Auch ich mag Nebel. Er führt mich in meinen eigenen Resonanzraum hinein und öffnet mich für die Wunder des Aussen. Mit Abschotten hat das für mich nichts zu tun, aber mit Schutz und Staunen, mit geheimnisvollen Beziehungen, die auf dem Grund eines beglückenden Weltbezuges gedeihen. Der gelingt nur über bewussten, herzhaften Austausch zwischen Innen und Aussen. Dabei spielt unsere Haut eine wesentliche Rolle. Nicht umsonst hat sie der Schöpfer zum grössten aller menschlichen Organe geschaffen. Sie ist Hülle und Grenze, Kontaktfläche und Schutz zugleich. Über sie treten wir in Kontakt mit Welt, Natur und Mitmenschen. Über sie werden wir wahrgenommen und nehmen wir wahr. Ist die Haut krank – wie bei den Aussätzigen, zerreisst dieses Verhältnis. Die Betroffenen werden zu Ungesehenen, Isolierten. Niemand will sie sehen, vergessen sie berühren. Unsere Haut ist das Resonanzorgan par excellence zwischen Innen und Aussen, zwischen Körper und Geist, zwischen Mensch und Natur, zwischen Mensch und Mensch, auch zwischen Mensch und Gott. Das zeigt sich in starken Gefühlen wie Angst, Freude, Begeisterung, Liebe, Glück auch in Abneigung, Gewalt und Hass. In Resonanz leben geht unter die Haut, fordert und beschenkt. Feste wie Weihnachten machen das eindrücklich erfahrbar.
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