baldeggerjournal

9 Sr. Romana Pfefferli, Baldegg Kämpfen für die Schöpfung – aus Liebe Das Storchenpaar war spät dran. Für den Nestbau hat es einen Baukran im Dorf ausgesucht. Dass dieser Kran aber schon bald den Standort wechseln würde, konnten die Störche nicht ahnen. Der Bauunternehmer sah sich gezwungen, die Räumung des Storchennests zu veranlassen und zwar mehrmals, denn die Störche begannen hartnäckig immer wieder von vorn. Schliesslich entschieden sich Herr und Frau Storch für die zweitbeste Variante; das alte nicht mehr in Betrieb stehende Heizungskamin bei der Klosterherberge. Nach nur einer Woche waren die Räume zwischen den zylinderförmigen Kaminfiltern mit Astwerk ausgefüllt und ein Nest nahm in luftiger Höhe Gestalt an. Gebannt beobachteten wir Schwestern, wie die Vögel brüteten. Für den Kampf um einen Nistplatz wurde das Storchenpaar aber erst im darauffolgenden Jahr mit Nachwuchs belohnt. Mit begeistertem Staunen schauten nicht nur unsere kleinsten Klosterkafi-Gäste dem Füttern der vier Storchenkinder zu und vergassen dabei beinahe ihr eigenes Essen. Auch im Kloster wird im Zusammenhang mit dem Schutz der Umwelt gekämpft – oder zumindest ein wenig gestritten. Dann nämlich, wenn sich eine Schwester im Finstern durch die Klostergänge tastet, weil sie sorgsam mit der Energie umgehen möchte und eine andere ihr zuruft, sie solle doch bitte das Licht anzünden, man falle ja um in dieser Dunkelheit. Auch das Öffnen und Schliessen der Fenster während der Heizperiode sorgt hin und wieder für rote Köpfe unter den Schleiern. Doch vieles machen wir Schwestern gut. Ich wage zu behaupten, dass wir Meisterinnen sind in punkto Abfalltrennung. Es wäre noch zu überlegen, was wir unternehmen könnten, damit kein oder zumindest weniger Abfall entstünde? Vor allem weniger wäre das Ziel: weniger Verbrauch von Rohstoffen und Energie, weniger CO2, weniger Plastik, weniger Lebensmittelabfälle, weniger Lärm, weniger Schadstoffe usw.; im Gegenzug aber eine grössere Artenvielfalt, gesünderes Leben, mehr Schöpfung. Für uns christliche Menschen ist die Bewahrung der Schöpfung oder die Sorge für das gemeinsame Haus, wie es Papst Franziskus in seiner Enzyklika LAUDATO SI‘ ausdrückt, keine Kür, sondern eine Pflicht. So heisst es im Alten Testament: «Gott, der Herr, nahm den Menschen … damit er die Erde wie einen Garten bebaue und bewahre» (Gen 2,15). Wenn wir stattdessen mit unserem Lebensstil die Erde zerstören, trifft dies besonders die Menschen in den ärmsten Ländern. Wir spüren es im Alltag nicht, aber wir leben auf Kosten von anderen. Armutsbekämpfung und Schöpfungsverantwortung gehören zusammen. Ökologisches Handeln hat immer auch etwas mit Gerechtigkeit und Frieden zu tun. Der heilige Franziskus von Assisi weist uns auf eine noch tiefere Dimension hin. Er verstand sich als Teil der Schöpfung, in Beziehung stehend zu allem Geschaffenen. So nannte er Sonne und Wasser liebevoll «Schwester», Mond und Wind «Bruder» und die Erde «Mutter». Er lebte geschwisterlich mit allen Geschöpfen aus Liebe zu dem, der alles gemacht hat: Gott, der Ursprung und Schöpfer aller Dinge. Gott hat uns die Welt und uns selbst zum Geschenk gegeben. Weil wir IHN hinter allen Dingen sehen, tragen wir Sorge, gehen wir bewusst und achtsam mit allem um, was uns anvertraut ist. Es ist die Liebe und die Dankbarkeit zu unserm Gott, die uns antreibt, für das Wunderwerk der Natur und die Schönheit der Schöpfung einzustehen – ausdauernd wie unser Storchenpaar.

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