6 Kloster Baldegg Oft hört man, dass Menschen die Pensionierung kaum erwarten können, um endlich einmal alle Träume zu verwirklichen. Nicht so bei Ihnen. Was bewog Sie nach der Pensionierung erneut in einen herausfordernden Arbeitsalltag im Kloster einzusteigen? Dafür gibt es zwei Gründe, die ihren Ursprung im Alters- und Pflegeheim Chrüzmatt in Hitzkirch haben. In den 13! Jahren als Geschäftsführer der Chrüzmatt bin ich in ein intensives Engagement hineingewachsen, welches man nicht von heute auf morgen einfach so abstellen kann. Zudem haben meine Frau Romy und ich sehr viel unserer Freizeit in Anlässe für Bewohner und Personal der Chrüzmatt investiert. Nach dem altersbedingten Ausscheiden aus der Chrüzmatt war für mich deshalb und auch infolge fehlender Hobbys plötzlich eine gewisse Leere da, das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, schon zum alten Eisen zu gehören. Die Baldegger Schwestern führten seit 1874 die «Armen- und Waisenanstalt» Chlotisberg. 1985 zügelten sie mitsamt ihren Bewohnerinnen ins neu erstellte Altersheim Chrüzmatt in Hitzkirch und führten dieses bis 1993. In meiner Zeit in der Chrüzmatt durften wir auch auf die Seelsorgearbeit von Baldegger Schwestern zählen. Das Bedürfnis, der Klostergemeinschaft Dankbarkeit zu zeigen und etwas zurückzugeben, ist der zweite Grund für meinen Entscheid. «Faulenzen, dieses Wort mag ich nicht», so haben Sie es einmal ausgedrückt. Warum? «Faulenzen» ist für mich persönlich negativ behaftet. Vermutlich deshalb, weil ich als Kind auf dem elterlichen kleinen Bauernhof häufig zu faul war mitzuhelfen, von Hand Gras und Heu aufzuladen, den Rechen durch die Wiesen zu ziehen oder Güllenschläuche herumzuschleppen. Natürlich gab es auch Arbeiten, die ich gerne gemacht habe, zum Beispiel Kirschen pflücken, mosten, Zuckerrüben ausgraben, putzen und im Keller einlagern. Irgendwie ist es bis heute nicht viel besser geworden. Lieber arbeite ich angestrengt einen halben Tag im Büro, als mich zu Hause eine halbe Stunde mit dem Staubsauger auseinanderzusetzen. Dafür koche ich gerne mit Romy zusammen, wo ich am Grill ständig neue «Verfahren» ausprobiere. Wie sorgen Sie dafür, dass Sie sich erholen können? Wie regenerieren Sie Ihre Kräfte? Gott sei Dank erfreue ich mich einer robusten Gesundheit. Romy und ich sind seit 45 Jahren verheiratet, haben es gut miteinander und wohnen in einer schönen, mit Abendsonne (sofern sie scheint) beschienenen Wohnung mit grosser Terrasse. Die Familien unserer drei Kinder mit den 4 Grosskindern, mit denen wir ein sehr gutes Verhältnis haben, leben in der Nähe. Wir haben jahrzehntealte Verbindungen mit befreundeten Ehepaaren, mit welchen wir jährlich Ferienreisen unternehmen. Mit meinem Teilzeitjob im Kloster Baldegg bleibt noch genügend Zeit für Gemeinsamkeiten mit Romy, der Familie und mit Freunden. Und natürlich mit Cliff, unserem Westie. All das ermöglicht meine Regeneration und unterstützt meine lebensbejahende Haltung, den mir anhaftenden Optimismus. Wenn bei Ihnen das grosse Glück nicht im Faulenzen liegt, wo finden Sie es? Ernst Ferstl hat geschrieben: «Das grosse Glück hat eine hohe Fallhöhe». Es ist mir lieber, kleinere glückliche Momente zu erleben, dafür öfter. So bin ich eher zu «feiern», wenn es etwas zu tun gibt, wofür ich befähigt bin, als untätig zu sein. Klar macht es mich auch glücklich, auf der Terrasse an der Sonne zu «faulenzen», dabei Romy’s schöne Blumen zu betrachten oder Cliff zu studieren, wie er reagiert, wenn Krähen zu nah durchfliegen und ihn absichtlich ärgern, zu lesen oder ein Kreuzworträtsel zu lösen. Glück lässt sich schlussendlich überall finden, wenn man dazu fähig ist, dieses wahrzunehmen. Dies sind für mich zum Beispiel ein Spaziergang mit Romy und Cliff, eine Bergwanderung, die Teilnahme an einem Gottesdienst, die Herzlichkeit der Baldegger Schwestern, um nur einige wenige aufzuzählen. Faulenzen? Nein, danke! Antworten von Toni Eggstein, Hitzkirch
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