baldeggerjournal

7 Dr. theol. Thomas Ruckstuhl, Solothurn Plegere Im Schweizerdeutschen Wörterbuch Idiotikon steht das Wort «plegere». Ich kenne es aus meinem Luzerner Dialekt. Es steht für faulenzen, bequem herumsitzen, sich aufs Sofa legen. Ich finde es ein schönes Wort, das einfängt, was normalerweise während eines Arbeitstages nicht Platz hat: ausruhen, dösen, die Gedanken fliegen lassen, ausspannen, träumen und auf der faulen Haut liegen. «Plegere» heisst, die Seele baumeln lassen, Abstand gewinnen zu den Themen und Problemen des Alltags, des Berufes, die Gedanken setzen lassen, zu sich selber zurück finden, schöne Erfahrungen Revue passieren lassen und darüber froh werden. Auch für Menschen im pastoralen Dienst ist dieses Durchatmen wichtig. Um während der Woche für die Menschen offen zu sein, gut vor den Schülerinnen und Schülern zu stehen, Gottesdienste und Predigten lebendig gestalten zu können, ist dieses Abstandnehmen unabdingbar. Wer, wenn nicht wir, sollten hier das Sonntagsgebot ernst nehmen und tun, was am siebten Tag der Schöpfungsgeschichte der Schöpfer der Welt getan hat: «Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte und er ruhte am siebten Tag (Gen 2, 2)». Diese Sonntagsruhe ist situationsbedingt für die meisten Seelsorgenden nicht der Sonntag, sondern der Montag, auch als «Pfarrersonntag» bekannt, da am Samstag und Sonntag Gottesdienste, Trauungen, Taufen und weitere Anlässe stattfinden. Dieser freie Tag ist bedeutsam, damit auch Priester, Diakone und Pastoralassistentinnen die eigenen Kräfte regenerieren können. Die Gläubigen bringen in der Regel Verständnis auf, dass auch Seelsorgende gute Pausen brauchen. Gerade zölibatär lebende Priester stehen in der Versuchung, bei diesen Auszeiten Abstriche zu machen, sich zu wenig Zeit zu gönnen für Freizeit und Gebet, was auf die Dauer gravierende Konsequenzen hat. Natürlich ist besonders auch für verheiratete Seelsorgende der Ausgleich von Arbeit, Familie und Freizeit anspruchsvoll. Es ist eindeutig: Damit die Freude erhalten bleibt, braucht es Zeiten der Ruhe, der Geisterneuerung, der Pflege von Freundschaften und des Kontaktes zur Herkunftsfamilie. Was heisst das konkret? Mir hilft es, wegzufahren und den Ort zu wechseln, Abstand zu schaffen, das Tagesgeschäft zurückzulassen und zur Ruhe zu kommen. Die Natur, die Bewegung und der Sport, die Familie und Freunde gehören dazu. Hin und wieder mache ich auch eine Geisterneuerung; dabei darf die Fülle der Erfahrungen und Termine der vergangenen Wochen noch einmal in den Blick treten. Es kann Freude aufsteigen über das, was gut gelungen ist, aber auch das Schwere bekommt Platz, z.B. Enttäuschungen und Verletzungen. Und dann ist es wichtig, neuen Geist nachzulegen und gute Nahrung für den Geist zu beschaffen: ein guter Text, ein spannendes Buch, eine Ausstellung oder ein Museum, ein Konzert. Auch das Sammeln neuer Ideen und Gedanken hat Platz und das Gebet, um neuen Mut zu schöpfen, um mit Freude weiterzugehen.

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