baldeggerjournal

11 Psalmen Durch Chillen zum Erfolg Daran glauben Sie nicht? Das ist begreiflich! Wir leben in einer Zeit, in der Überarbeitetsein ein Statussymbol, Multitaskingfähigkeit eine Tugend und Erreichbarkeit rund um die Uhr ein Muss ist. Da wirkt eine solche Behauptung fast absurd. Und doch gibt es das Rezept «Durch Chillen zum Erfolg». Ich habe es in den Psalmen gefunden. Zugegeben – die Überschrift ist etwas moderner als die Aussage im Psalm, aber der Inhalt stimmt überein. Chillen ist ja ein neues Wort. Das gab es vor zweieinhalbtausend Jahren noch nicht. Es bedeutet: sich beruhigen, sich entspannen, ausruhen, abhängen oder eben – etwas altmodischer ausgedrückt – einfach faulenzen. Und das soll zum Erfolg führen? Für uns Menschen von heute kaum zu glauben! Aber der Psalm 127 sagt es so: «Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und euch spät erst niedersetzt, um das Brot der Mühsal zu essen; was recht ist, gibt der Herr denen, die er liebt, im Schlaf.» Ps 127,2 Soll das nun heissen: Es ist nicht nötig zu arbeiten, nicht nötig sich anzustrengen? Soll es heissen: Hauptsache gut schlafen, der Rest geschieht von ganz allein? Scheint so. Der Psalm sagt ja ganz klar: es ist umsonst, ... sich zu mühen es ist umsonst, ... früh aufzustehen es ist umsonst, …bis spät abends zu arbeiten. Was recht ist, das erhalten wir im Schlaf. Und da liegt vielleicht ein weiteres Problem für uns moderne Menschen. Der Psalm sagt uns «Was recht ist oder was uns zusteht» erhalten wir im Schlaf. Aber heute genügt uns das vielfach nicht mehr. Wir wollen immer mehr, wir bekommen nie genug, und dafür strampeln wir uns ab, bis wir vor lauter Stress nicht einmal mehr das, was uns zusteht, geniessen können. Davor will uns der Dichter von Psalm 127 bewahren. Er ist zwar realistisch, hat einen klaren Bezug zum Alltag und weiss, was wir nötig haben. So spricht er im ersten Teil des Psalms von menschlichen Grundbedürfnissen: vom Bauen einer Unterkunft, vom Streben nach Sicherheit vom Beschaffen der Nahrung. Um das zu erreichen, nehmen wir grosse Anstrengungen auf uns. Das war vor zweitausend Jahren kaum anders als heute. Nur reicht uns heute das Sichern der Grundbedürfnisse nicht mehr. Es soll doch noch ein bisschen mehr sein! Aber irgendwann stellt sich dann mitten in der Hektik des Lebens oder bei Misserfolgen doch die Frage: «Kann ich den Ansprüchen überhaupt genügen?» oder «Lohnt es sich?» Der Schreiber des Psalms gibt uns die Antwort. Er will uns eine Erfahrung mitgeben, die uns helfen kann, der Hektik zu entfliehen und das Leben etwas menschlicher zu gestalten. Es geht ihm um ein Zusammenwirken von Gott und Mensch. Es ist Gott, der mit uns baut, mit uns wacht und mit uns sät und erntet, auch wenn wir schlafen. Wenn wir daran glauben, dann können wir uns auch einmal zurücklehnen, abschalten, durchatmen, früh ins Bett gehen und ausschlafen, also einfach chillen – und wir erhalten trotzdem, was wir nötig haben. Auf dem Hintergrund des ganzen Psalms wird aber schon klar, dass er uns nicht davon abhalten will, früh aufzustehen, spät ins Bett zu gehen und das Brot zu essen, das wir selber erarbeitet haben. Aber es gibt eben auch noch die andere Seite, nicht nur auf die eigene Kraft zu vertrauen, sich nicht zu sorgen, «die Seele baumeln zu lassen» und mit Gott zu rechnen, dass er das Entscheidende wirkt. Sr. Renata Geiger, Baldegg

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