baldeggerjournal

4 Was glauben Kinder? Woran haben Sie geglaubt, als sie ein Kind waren? Ich glaubte, wenn ich mit zusammengekniffenen Augen die Kerzen auf dem Altar anschaue, Gnadenstrahlen in mich eindringen. So füllte ich im Sonntagsgottesdienst mein Kinderherz mit diesen Strahlen und war glücklich. Manchmal erzählen meine Mitschwestern, mit welcher Innigkeit sie als Kinder an das «Chrischtchindli» geglaubt haben. Diese kindliche Erfahrung teilen viele Menschen miteinander, auch ich. Mit der Schulzeit ist das «Erwachen» gekommen und dass die Eltern für die Geschenke zuständig sind. Ich kam mir sehr wichtig vor mit diesem Wissen. Meine jüngeren Geschwister «glaubten» noch und waren glücklich dabei. Der unverdorbene Kinderglaube ist prägend für die Entwicklung und bildet in dieser wichtigen Zeit ein Fundament. Dieser Glaube kann nicht gelernt oder als Wissen vermittelt werden. Das Kind wächst in seiner Familie und Umwelt in den gelebten Glauben, bzw. in die gelebten Werte hinein. Ungefragt und ohne zu überdenken übernimmt das Kind alles, was ihm vorgelebt wird. Für das junge Kind steht das Handeln im Vordergrund, die Freude am Tun prägt sein Verhalten. Verbunden mit der Freude ist das kindliche Staunen. In dieser Fähigkeit liegt ein tiefer religiöser Aspekt. Im Staunen ist das Kind ganz bei sich. Daraus erwachsen dem Kind die Fähigkeit zur Stille und eine lebendige, natürliche Beziehung zu Gott. Diese Beziehung bildet die Grundlage für das Vertrauen. So ist in diesem Alter nicht in erster Linie der Glaube wichtig, sondern das Vertrauen. Jeden Freitagnachmittag besuchen Kinder in unserem Atrium die Katechese des Guten Hirten. Das Atrium ist eine sorgfältig vorbereitete Umgebung. In diesem Raum singen und beten wir und begegnen Gottes Wort. Der Ursprung dieser Katechese geht auf Maria Montessori zurück. Sie hat sich immer wieder damit befasst, wie sie dem Kind die verschiedenen religiösen Themen nahe bringen kann. Sie sagt: «Wenn uns Religion fehlt, so fehlt etwas Fundamentales für die Entwicklung des Menschen.» Die christliche Botschaft besteht im Wesentlichen darin, mitzuteilen, dass Gott die Liebe ist. Für das junge Kind, das vorbehaltlos lieben und vertrauen kann, ist diese Botschaft im Tiefsten verständlich. So wird der Gute Hirte, das «Ich bin» von Christus, dem kindlichen Bedürfnis gerecht. Dieses Wort strahlt ein grosses Vertrauen aus. Da ist ein Hirte, der kennt seine Schafe beim Namen und die Schafe kennen seine Stimme. Dieser Hirte ist sogar bereit, sein Leben für die Schafe hinzugeben. Diese beschützende Liebe, die ein grosses Vertrauen weckt, berührt das Kind im Innersten. Glauben Kinder? Junge Kinder haben eine natürliche Fähigkeit, ihre Beziehung zu Gott aus ganzem Herzen zu empfinden. So können sich Kinder sehr über die Anwesenheit Gottes freuen, auch wenn sie diese nicht mit Worten bezeugen können. Max hat es mit Pfeilen aus Papier getan. Gottespfeile hat er sie genannt und im Atrium an die Wände geklebt. Die farbigen und mit kindlichen Symbolen gestalteten Pfeile zeigen in alle Richtungen, eben überall wo Gott ist. Kinderglauben? Kinder glauben! Klosterherberge Sr. Theres Brändli, Baldegg Glauben Kinder?

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