baldeggerjournal

6 Hertenstein In der Bergpredigt sagt Jesus zu den Jüngerinnen und Jüngern und auf dem Weg der bewussten Nachfolge auch zu uns: Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Salz bewahrt vor Fäulnis und würzt, was fade ist. Wenn ich Salz (Würze) bin, ist das eine Zusage Gottes. Es steckt darin weder Forderung noch Anspruch, sondern es ist Ausdruck und Bestätigung, dass wir Gottes Schöpfung sind und Gesandte, sein Reich in der Welt sichtbar zu machen. Licht erhellt die Dunkelheit und erleuchtet das Verborgene. Es holt ans Licht, was bisher ein Schattendasein Sr. Beatrice Kohler, Hertenstein führte. Kann ich diese Zusagen für wahr halten? Will ich Salz und Licht sein in unserer Gesellschaft, in der Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche, in der Pfarrei, in der Schulklasse …? Was befähigt mich dazu? Als Geistliche Begleiterin erfahre ich, wie befreiend es sein kann, wenn jemand dem persönlichen Leben und Glauben vernehmbare Sprache gibt und für das innere Geschehen nach Ausdruck sucht. Geistliche Begleitung befragt und begleitet diese inneren Bewegungen, die in die äussere Umsetzung drängen. Wir leben, um einer persönlichen Berufung zu folgen. Mit unserer unverwechselbaren Einmaligkeit (vgl. Psalm 8) hinterlassen wir eine Spur in dieser Welt. Gelingendes Leben will dieses Unverwechselbare entdecken und damit in Einklang kommen. Das Glaubensgespräch in seinen unterschiedlichen Formen, in dem ich mein Suchen und Gehen, mein Finden und Gefundenwerden, meinen Alltag mit seinen Freuden und Leiden jemandem anvertraue, kann dafür eine bedeutsame Stütze sein. Wer die eigene Sehnsucht wahrnimmt, das Leben Gott anzuvertrauen, tut gut daran, sich eine Begleitperson zu suchen. Ihre langjährige Erfahrung auf dem Weg mit Jesus weiss um die oft geheimnisvollen Wege Gottes mit den Menschen. Sie kennt sich aus im Kampf mit den Leidenschaften und Gefühlen, die ablenken und aus der Mitte fortführen wollen. Das bewusste Hören auf die Stimme Gottes in dem, was die begleitete Person ins Gespräch einbringt oder ausblendet, ist ein zentrales Merkmal der Geistlichen Begleitung. Die persönliche Gottesbeziehung wird gestärkt und gefördert. Das Gespräch ermöglicht, den eigenen spirituellen Weg deutlicher zu erkennen. Es hilft Ausdrucksformen zu finden, die auch für Menschen der unmittelbaren Umgebung und für Menschen der beruflichen Aufgabe fruchtbar werden. Der eigentliche Begleiter in diesem Geschehen ist Gott selber. In Jesus ist er für uns sichtbar und erfahrbar geworden. In seinem Evangelium offenbart er sich uns auch für heute. Sein Verhalten in der Geschichte von Marta und Maria war kompromisslos und offen, wodurch er sie aus den Leben hemmenden und Leben mindernden Umständen befreien wollte. Die Geschichte von Zachäus macht deutlich: Geistliche Prozesse brauchen Zeit und es gibt den Kairos, den man nicht verpassen sollte. Jesus ist beim Anblick der Menschen tief erschüttert, berührt – andererseits geht er in Distanz (z.B. als Simon ihm sagt: Alle suchen dich). Jesus hat sich in Begegnungen ganz eingebracht, mit allen seinen Möglichkeiten. Aber er hat die Gesprächspartner nicht mit seiner Persönlichkeit eingeengt. Sie haben in der Begegnung mit ihm den eigenen Anteil an Verantwortung und Entscheidung erkannt. Diese Verhaltensweisen sind auch wegweisend für die Begleitperson. Geistliche Begleitung soll helfen, den Schatz im eigenen Acker zu entdecken und ihn auszugraben und unter der Führung des Heiligen Geistes ein hörender Mensch zu werden. … dass Gottes Licht durchscheinen kann

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