baldeggerjournal

7 Im Gottesdienst formulierten Sie: «Wir bitten Christus, er möge uns einen starken innigen Glauben schenken». Warum soll unser Glaube stark sein, warum innig? Die Evangelien zeigen, was es bedeutet, an Jesus Christus zu glauben. Menschen in Not (Krankheiten aller Art, Katastrophen wie ein Seesturm, Todesfälle) wenden sich an Jesus um Hilfe, und er hilft. So machen sie die Erfahrung, dass er nicht einfach irgendein Wunderheiler ist, sondern etwas von der Vollmacht besitzt, die nur der Erschaffer der Welt haben kann. Er verbindet mit Gott, dem Erschaffer und Lenker der Welt. Nach dieser gemachten Erfahrung – man hat sie entweder selber gemacht oder andere haben sie gemacht und davon erzählt – hat man die Wahl, sich ganz Jesus zuzuwenden oder sich von ihm wieder zu entfernen, weil man ihn nach der Heilung nicht mehr braucht. Das Unglück ist ja vorbei. Stark und innig glauben heisst, es wendet sich jemand Jesus ganz aufmerksam zu und will tiefer seine Verbindung mit dem erschaffenden und lenkenden Gott verstehen. Er kann ihn nicht mehr vergessen, und er wird von ihm mehr und mehr angezogen. Kloster Baldegg Antworten von Prof. Dr. P. Adrian Schenker, Fribourg Stark und innig glauben Warum sollen Menschen glauben? Weil sie Hilfe brauchen und mit Gott, dem Erschaffer der Welt, in ein Verhältnis treten können. Das ist ein unglaublich grosses Vorrecht. In diesem Verhältnis sind sie weit über das begrenzte menschliche Dasein in Raum und Zeit emporgehoben. So bekommt das Leben der Menschen einen unfassbar grossen Wert. Sie beschäftigen sich tagtäglich mit der Heiligen Schrift. Viele Menschen sind nicht mehr vertraut mit der der Bibel. Kann man ohne Bibel glauben? Ja, das kann man. Denn was die Bibel sagt, ist auch in der Lehre der Kirche, im Leben der grossen Gläubigen (den Heiligen) und in den Schriften der bedeutenden Theologen und geistlichen Meistern in anderer Form enthalten. Das sind die Erfahrungen der Männer und Frauen, die an Jesus Christus geglaubt haben und die in ihrem Wirken und Leben das verkörpern und zeigen, was die Bibel darlegt. Aber wer sie kennt, wird von ihnen zur Bibel zurückgeführt, denn aus ihr haben sie das geschöpft, was gut an ihnen ist. Was bedeutet diese Situation für den Glauben? Für die Glaubensverkündigung? Für die Theologen und Bibelwissenschaftler? Theologen und Verkünder, Männer und Frauen, müssen die Heilige Schrift gut kennen. Sie ist die Quelle, aus der wir Jesus, den Sohn Gottes, die prophetischen Offenbarungen und die Lehren der Apostel kennen. Das ist das Fundament. Auf diesem Fundament sind die echten Schriften und Zeugnisse des Glaubens aufgebaut, die im Lauf der Kirchengeschichte in grossem Reichtum entstanden sind. Es gibt ein beständiges Hin und Her zwischen Bibel und Glaubenszeugnissen der Kirche. Sie bestätigen und bereichern sich gegenseitig. Ist der Glaube eines Bibelwissenschaftlers unangefochten? Nein, unangefochten ist der Glaube der Bibelwissenschaftler nicht. Eigene dunkle Lebenserfahrungen, die glaubenskritische und glaubensfeindliche Stimmung in der modernen westlichen Welt, in der wir leben, das Leiden der Unschuldigen, aus der Forschung entstehende Fragen hinsichtlich der Wahrheit und des Verständnisses der Bibel können den Glauben an Jesus Christus als wahren Mensch und wahren Gott auf die Probe stellen, und davor sind Bibelwissenschaftler nicht gefeit. Aber in der Bibel selbst liegen auch die Kräfte, die den Glauben der Christen wie auch den der Juden stärken.

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