baldeggerjournal

11 Die Überschrift stammt nicht von mir, sondern aus einem Interview mit dem Liedermacher Brian Doerksen. Er sagte: «Eine zweijährige Krise, in der ich meine Fähigkeit, Liedtexte zu schreiben, für einige Zeit verlor, hat mich verändert. In diesem Zeitraum, in dem ich mir meines Glaubens nicht sicher war, borgte ich mir den Glauben aus den Psalmen … und vertraute darauf, dass das, was für Gläubige für Tausende von Jahren wahrhaftig gewesen war, auch meine Wahrheit sein kann.» «Glaube aus Psalmen geborgt …» Diesen Gedanken finde ich wunderbar. Wenn es mir schwer fällt zu glauben, wenn ich meinen Glauben nicht mehr artikulieren kann, hole ich mir Hilfe am Beispiel von glaubenden und betenden Menschen, leihe ich mir Worte aus den Psalmen. Aber was bedeutet denn «glauben» in den Psalmen? Auf den ersten Blick haben Psalmen nur wenig mit dem Glaubensbekenntnis zu tun. Das hebräische Wort für Glauben «hæ aemin» kommt in den 150 Psalmen nur siebenmal vor. Doch das was «glauben» letztlich meint, ist in den Psalmen allgegenwärtig. Es wird von den Psalmisten gerne mit «vertrauen» und vor allem mit «hoffen» umschrieben. Dass dies so ist, zeigt schon die Tatsache, dass selbst da, wo das Wort «glauben» ausdrücklich verwendet wird, noch einmal zusätzlich ein solches Hoffnungswort parallel dazu gebraucht wird, etwa in Psalm 78,22: «… weil sie Gott nicht glaubten und nicht auf seine Hilfe vertrauten ...» Wenn wir also fragen, was uns die Psalmen über den Glauben des Gottesvolkes verraten, dann müssen wir uns mit dem Begriff «hoffen» in der hebräischen Sprache auseinandersetzen. Obwohl die hebräische Sprache eine wortarme Sprache ist, gibt es im Hebräischen viele Begriffe, die die einzelnen Schattierungen von «hoffen» in den Blick bringen. • vertrauen • harren • warten auf • sich ausspannen auf • Zuflucht nehmen zu • sich bergen bei Diese Aufzählung zeigt uns, wie bedeutsam die Begriffe glauben oder hoffen in den Psalmen sind. Dabei müssen wir uns bewusst sein, dass die einzelnen Worte in der hebräischen Sprache die Akzente oft anders setzen, als es die deutsche Sprache tut. Ein Unterschied ist dabei ganz besonders wichtig: In der hebräischen Sprache der Psalmen werden die Begriffe glauben oder hoffen kaum einmal mit einem Inhalt verbunden. Es wird nicht davon gesprochen, was man glaubt, was man erhofft. Denn das hebräische Wort für glauben «aman» (sich festmachen) beinhaltet für den Psalmisten eine solch starke Verwiesenheit auf ein «Du», dass es nicht im Blick auf eine Befindlichkeit oder gar auf eine Sache verwendet wird. Mit den Begriffen glauben und hoffen werden in den Psalmen personale Bezüge ins Wort gebracht. Letztlich heisst das: die personale Beziehung zu Gott wird in ihnen ausgesagt. Der direkte Beziehungspunkt des Glaubens und Hoffens ist demnach das «Du» Gottes. Dieser Gott hat sich ja seit jeher dazu entschlossen, ein Gott zu sein, der der Welt und den Menschen zugewandt ist. So ist er der Anker des Menschen, der Gott, an dem sich der Mensch festmachen kann und Halt findet, so wie es das hebräische Wort «aman» ja zum Ausdruck bringt. Wenn ich mich aber an JHWH festmache, dann glaube ich an ihn; und wenn ich an ihn glaube, dann erweist sich das darin, dass ich mich auf ihn verlasse, ihm traue und im Blick auf ihn durchs Leben gehen kann. Denn das lehren uns die Psalmen: das unmittelbare Ziel des Glaubens ist Gott. Glaube aus Psalmen geborgt … Sr. Renata Geiger, Baldegg Psalmen

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