baldeggerjournal

10 Im Gespräch mit Sr. Luka Hutter, Baldegg Kloster Baldegg Meine Tage sind gezählt Du bist vor kurzem mit der Diagnose Bauchspeichelkopf-Tumor konfrontiert worden. Wie geht’s dir damit? Erschrecken tut man schon bei einer solchen Diagnose. Als Krankenschwester sowieso, ich weiss natürlich gut, was mir bevorsteht. In den vielen Jahren im Spital habe ich genug gesehen. Dennoch war mein erster Gedanke: «Wenn Gott das will, ja dann.» Hat sich dein Alltag verändert? Vieles ist für mich seither anders geworden. Meine Welt ist jetzt irgendwie weit und eng zugleich. Weit, weil ich vieles um mich wahrnehme, das ich vorher nicht sah. Beispielsweise in der Natur oder bei meinen Mitschwestern. Eng erlebe ich es, weil ich für vieles ganz einfach die Kraft nicht mehr habe. Wenn ich eine Stunde im Garten arbeite, muss ich mich nachher hinlegen. Ich fühle mich schon herausgefordert durch diese Krankheit. Kennst du den Gedanken «Warum gerade ich»? Ich habe nie gefragt: «Warum ich?». Ich frage eher: wozu? Wozu ist das gut? Wozu trifft es gerade mich? Und ich habe auch schon das Gefühl gehabt, da ist noch etwas, das mir durch diese Krankheit aufgetragen ist. Fürchtest du dich vor dem Leiden, den Schmerzen und dem Sterben? Vor dem Tod habe ich nicht Angst, aber ich fürchte ein wenig die Phase des Sterbens. Ich habe Angst vor dem Abhängigsein und mein Leben nicht mehr selber in der Hand zu haben. Wenn du ein Bild von deiner Angst malen müsstest, wie sähe es aus? Es würde ein Krokodil zeigen, das angreift. So wie es mein Tumor tut. Er greift mein Leben an. Vor dem habe ich Angst. Gegen das Krokodil würde ich eine Wand malen. Für mich ist das Gebet wie eine Wand, die meine Angst fernhält. Ich bete häufig das Bruder-Klausen-Gebet, es ist mir immer präsent. Übrigens war es mein erstes Gebet, das ich lesen konnte. Es war auf dem Totenbild meiner Mutter geschrieben. Mein Vater betete es immer mit mir. Dieses Gebet gab mir Halt, ich betete es immer, wenn ich mich vor etwas fürchtete. Und seit ich weiss, dass mein Sterben bevorsteht, ist mir der Gedanke gekommen, dass ich nun bald meine Mama kennen lernen werde. Sie ist an Tuberkulose gestorben, als ich zwei Jahre alt war. So sehe ich mich auch schon irgendwie auf der andern Seite des Lebens. Denkst du oft an den Tod, das ewige Leben, den Himmel? Wenn ich mich von meinen Angehörigen verabschiede, denke ich manchmal, das ist vielleicht das letzte Mal, dass ich sie sehe. Das ist nicht leicht. Da frage ich mich schon hie und da, wie Menschen, die nicht glauben, mit einer solchen Situation fertig werden. Mir hilft dann mein Glaube, dass Gott ein barmherziger Vater im Himmel ist. Mein Vater war auch barmherzig, darum habe ich keine Angst. Ich glaube an ein ewiges Leben nach dem Tode. Christus hat uns ja eine Wohnung versprochen. Manchmal stelle ich mir so eine gemütliche Stube vor, wo ich dann einmal richtig daheim sein kann.

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