baldeggerjournal

2 Sr. B. Schwester Patricia, seit 52 Jahren lebst und arbeitest du in der Stella Matutina in Hertenstein. Du hast ein gutes halbes Jahrhundert das Wirken auf der Halbinsel mitgestaltet und mitgeprägt. Während diesen Jahren hat es grosse und kleinere Veränderungen gegeben. Was hat dir den Mut und die Zuversicht gegeben, immer wieder zu trauen? Sr. P. Ich habe in diesen Jahren oft erfahren, dass es gut weitergehen kann, auch wenn es anders wird. Diese Erfahrung und das Vertrauen auf Gottes Führung haben mir in schwierigen Situationen weitergeholfen. Der Glaube an Gottes Vorsehung stärkt und trägt mich. Auch Gespräche mit anderen Menschen über ihren Glauben und ihre Erfahrungen haben mir über Lebenskrisen hinweggeholfen. Sr. B. Anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts ist die Gemeinschaft der Baldegger Schwestern stark gewachsen. Auch die Schule wurde immer grösser. Der Kanton Luzern wusste, dass die Schwestern für ihren Auftrag zu wenig Platz hatten und vermittelte ihnen deshalb die Liegenschaft auf der Halbinsel. Für die Gemeinschaft benötigte es damals viel Mut, diese zu erwerben. In der Hauschronik ist folgendes zu lesen: «Es war ein monatelanges, gründliches Erwägen und Beraten mit vielen schlaflosen Nächten. Getragen und gestützt von innigen Gebeten sämtlicher Schwestern. Schliesslich hatten das Gottvertrauen und der frohgemute Sinn der wohlehrwürdigen Frau Mutter und ihres Rates über alle Bedenken gesiegt». Gab es bei dir auch Momente, wo du dem Leben fast nicht mehr trautest, wo dir der Alltag zur grossen Last und Herausforderung wurde? Was hat dir damals das Vertrauen gestärkt? Sr. P. Vor allem in den ersten Ordensjahren erlebte ich schwierige Momente und fühlte mich einsam. Im Gebet wurde mir jedoch wieder Mut und Zuversicht zuteil. In der Zwiesprache mit Gott fand ich Geborgenheit und Kraft für den weiteren Weg. Diese Erfahrung und die Gemeinschaft haben mich in schwierigen Situationen getragen. Sr. B. Der Name Stella Matutina bedeutet Morgenstern. Es ist ein Name für Maria. Maria begann in der Nacht der Erwartung als wahrer Morgenstern, als Stella Matutina, zu leuchten. Am Himmel geht der Morgenstern der aufsteigenden Sonne voraus. So ist Maria dem Kommen Jesu vorausgegangen. Maria war ein vertrauender Mensch. Die Annahme des Rufes Gottes setzte nicht nur das Hören voraus, sondern vor allem auch das Vertrauen. Die Verfügbarkeit, das Bereitsein für den Auftrag Gottes ist ein Geschenk, ist Gnade. Oft haben wir die Neigung, alles selber machen und bestimmen zu wollen. Doch Maria ist uns ein gutes Vorbild. Sie begreift nicht alles, sie versteht nicht immer. Doch sie spricht täglich neu ihr Ja. Sie ist bereit, sich ganz und gar dem Willen Gottes anzuvertrauen. Schwester Patricia, hat für dich Maria auch einen besonderen Platz? Sr. P. Ja, das hat sie. Durch das Betrachten ihres Lebens habe ich zu Maria eine besondere Beziehung erhalten. Dies wird durch das Gebet zu ihr vertieft. Darin finde ich im Alltag Ruhe und Gelassenheit. Sr. B. Gibt es neben den vielen Veränderungen auch Dinge, die gleich geblieben sind und dich immer wieder erfreuen? Sr. P. Die Gebäude, die Menschen und der Auftrag in Hertenstein haben sich verändert. Die Natur und die Lage der Halbinsel sind jedoch seit eh und je wunderschön. Wenn ich am Ufer des Sees stehe und Richtung Hergiswil schaue, sehe ich den Trichter des Vierwaldstättersees und erfahre dabei eine wohltuende Weite. Hertenstein Interview von Sr. Bernadette Lüchinger mit Sr. Patricia Müller (Bild), Hertenstein Sr. Patricia Müller, 1939, wirkt seit April 1964 in Hertenstein. Von 1964 bis 1980 war sie als Handarbeits-, Werk- und Turnlehrerin tätig und unterrichtete bei der Sekundarschule, beim Sprachkurs und in der Handelsschule. Seit 1980 ist Sr. Patricia verantwortlich für den Garten und die Floristik. Der Zukunft trauen - 100 Jahre Stella Matutina Hertenstein

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