baldeggerjournal

11 In einer Bussfeier wurden bei der Besinnung auch folgende Fragen gestellt: Bin ich ein treuer Mensch? Traue ich mir etwas zu? Können andere mir vertrauen? Traue ich anderen genügend zu, oder bin ich misstrauisch Ich denke, es tut gut, wenn wir hin und wieder über solche Fragen nachdenken. Trauen, vertrauen, anvertrauen gehören zusammen. Gewiss haben auch Sie schon zugeschaut, wie Menschen in der warmen Sommerszeit von der Höhe ins kühle Wasser gesprungen sind. Ich bewundere diese Menschen. Sie trauen sich etwas zu. Ich selber habe dies nie gewagt. Aber eigentlich habe ich mir auch etwas zugetraut, als ich zustimmte, über das Trauen einen Beitrag fürs BaldeggerJournal zu schreiben. Trauen: «Bin ich ein treuer Mensch? Traue ich mir etwas zu?» So die Fragen zur Besinnung. Als mir die Leitung des Klosters anvertraut wurde, war es auch fast so wie ein Sprung ins kalte Wasser. Etwas wagen, sich etwas zutrauen hat eigentlich etwas Anziehendes an sich. Natürlich hofft man dann immer, dass es auch gut gelingt. Oft brauchen wir aber eine Anfangshilfe, ein Mitgehen des ersten Schrittes. So tat es mir gut, nach meiner Wahl zur Generaloberin von einer Mitschwester zu hören «Du schaffst das schon». Ich wagte, diese Aufgabe anzunehmen, weil ich spürte, dass Mitschwestern mir dies zutrauen. Wie in jedem Leben müssen auch in meinem Alltag täglich, ja stündlich kleinere oder grössere Entscheidungen gefällt werden. Mit jedem Entscheid traue ich mir etwas zu und bin dankbar, wenn ich spüren darf, dass er richtig war. Und immer wieder spüre ich bei den vielen Entscheidungen, wie sehr ich Gottes Hilfe brauche, und ich darf dabei glauben, dass er treu ist. Vertrauen: «Können andere mir vertrauen»? Es ist sehr wichtig, dass wir Menschen einander vertrauen können. Das Vertrauen, das mir immer wieder geschenkt wird, will ich auch den Mitschwestern schenken. Auch ich darf zu ihnen sagen: «Du schaffst das schon!» Gewiss können wieder Zweifel auftreten. Als Schwestern von der Göttlichen Vorsehung versuchen wir, einander gegenseitig zu bestärken im Vertrauen. Anvertrauen: Dem Mitmenschen etwas zutrauen, das tut ihm gut. Mir wurde die Aufgabe der Generaloberin anvertraut. Mir wurde dies zugetraut. Und jetzt habe ich immer wieder Gelegenheiten, meinen Mitschwestern eine Aufgabe anzuvertrauen, ihnen etwas zuzutrauen. Jedem Menschen schenkt Gott verschiedene Gaben und Fähigkeiten. Diese gilt es zu nutzen zum Wohle aller Mitmenschen. Und da kann ich wieder eine Frage der erwähnten Bussfeier bedenken: «Traue ich anderen genügend zu oder bin ich misstrauisch»? Sie ergänzen einander, diese Fragen der Bussfeier. Wenn wir uns in die Bibel vertiefen, entdecken wir immer mehr, wie sehr wir aufgefordert werden, zu trauen, zu vertrauen und im Vertrauen auf Gott etwas zu wagen und auch unsern Mitmenschen etwas zuzutrauen. Es ist Sommer. Wagen wir immer wieder neu den Sprung ins kalte Wasser – sei es konkret oder im übertragenen Sinn! Sr. Zita Estermann, Baldegg Trauen – vertrauen – anvertrauen

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