baldeggerjournal

7 Dem Werk Dauer und Festigkeit geben Schwester Thomas, du arbeitest für die Stiftung St. Antonius in der Pflege und Betreuung von sterbenden Menschen im Hospiz mit. Wie ist das für dich? Jedes Sterben im Hospiz berührt mich sehr. Die Patienten sind oft jünger als ich und müssen früh dem Tod in die Augen schauen. Ich brauche meist eine Woche, bis der Tod wieder etwas in den Hintergrund rückt. Als ehemalige Stiftungsrätin hast du dich in die Geschichte der St. Antonius-Stiftung vertieft. Warum ist sie entstanden? Mich fasziniert es, Archivunterlagen und Chroniken der Baldegger Schwestern zu lesen. Auch für Hurden zeigte sich: Für ein grosses Werk braucht es eine persönliche Betroffenheit, Ideenreichtum und viel Durchsetzungsvermögen. Joseph Messmer war ein solcher Mensch. Als Sechsjähriger verunfallte er schwer und konnte nicht mehr laufen und springen. Was das für ein Kind bedeutet, kann man sich vorstellen. Zeit seines Lebens war er auf die Hilfe anderer angewiesen. Bereits als junger Priester war er getrieben vom Gedanken, invaliden Menschen materiell und ideell zu helfen. Er wollte, dass sie es besser haben sollten als er. Zum Umsetzen seiner Stiftungsidee brauchte er jedoch die Baldegger Schwestern. Er gründete den Schweizerischen Orthopädiefonds für arme invalide Kinder, das Invalidenapostolat für Erwachsene und Behindertenheime. Legendär war seine Rollstuhlaktion. Er bettelte solange, bis er genug Geld hatte, um 15 000 Rollstühle Behinderten zu schenken. Rollstühle allein genügen nicht. Behinderte brauchen ein Daheim. Darum suchte er einen Ort, «wo mittellose invalide Menschen ein schönes Zuhause, Liebe und Wärme erfahren können». So schrieb es die Chronistin. 1937 entdeckte er den Gasthof Engel in Hurden und kaufte ihn sofort. So wurde Hurden sein kleines Paradies – und da sollten Behinderte leben dürfen. Wie hat das Werk überdauert? Sicher wegen den Baldegger Schwestern. Sie haben den Wunsch von Pfarrer Messmer in eine Stiftung überführt. In der Chronik las ich, unter welch misslichen Bedingungen jahrzehntelang Schwerstarbeit verrichtet werden musste. Ich verstehe, dass die Chamer Schwestern, die ganz zu Beginn in Hurden waren, nach wenigen Monaten wieder abgezogen wurden. Es herrschten fürchterliche Zustände. Eine Stiftungsidee haben, reicht halt nicht. Für mich sind deshalb unsere Schwestern, die das Werk aufbauten und durchtrugen, die eigentlichen Pionierinnen. Sie verwirklichten den Stiftungszweck tagtäglich. Man stelle sich vor: der Gasthof Engel in Hurden war ein Haus aus dem 16. Jahrhundert. Die Behinderten mussten tagtäglich treppauf und treppab getragen werden. Gott sei Dank konnte das Heim vor 25 Jahren komplett neu geplant und behindertengerecht gebaut werden! Was würde Pfarrer Messmer heute gefallen? Er wäre glücklich zu sehen, was man für Schwerstbehinderte alles tut. Der schöne Bau würde ihm sicher sehr gefallen, ebenso, dass Hurden noch immer ein kleines Paradies ist. Und vor allem, dass seine Idee «Dauer und Festigkeit» hat, so wie er es sich immer wünschte. Wäre das Hospiz auch in seinem Sinn? Ganz sicher. Er würde sich über die Ausweitung des Stiftungszweckes für sterbende Menschen freuen. Wo Not war, wollte er helfen. Heute ist das Sterben zu einer wahren «Not» für die Menschen geworden. In Hurden können wir diese Not ein bisschen lindern. Gespräch mit Sr. Thomas Scherer, Hurden

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