8 Kloster Baldegg Franz von Assisi sammelte und sammelt Menschen, ... ... die sich anstiften lassen, Frieden zu schaffen. Frieden in sich, zwischen den Menschen und in der Welt. Als Friedensstifter ist er in die Geschichte eingegangen. Welche Kraft formte ihn zu einem Mann des Friedens? Gibt es zwischen Kailash, dem Friedensnobelpreisträger 2014, und ihm Bezugspunkte? Und was heisst Frieden stiften ? Den Frieden auszeichnen Jährlich wird am 10. Dezember in Oslo der Friedensnobelpreis verliehen. Kailash Satyarthi, Hindu einer hohen Kaste, und die Pakistanin Malala Yousafzai, erhielten ihn 2014 , weil sie sich für die Rechte der Kinder, auch Schulbildung für Mädchen, einsetzten. Mich erstaunte Kailashs Weg. Als Kind verspürte er manchmal Wut. Sie war ihm Signal, mit dem er Ungerechtigkeit und Unfrieden wahrnahm, und Vorbotin für Ideen zur Veränderung des Übels. Denn sie brachte ihn zum Nachdenken und das wiederum kreierte in ihm Ideen, die er in die Tat umsetzte. Er benutzte die Energie der Wut – von der wir alle gelernt haben, dass sie destruktiv sei – zur Transformation. Die Freude der befreiten Kinder und beschenkten Mütter und Familien erfährt Kailash als Orte der Gottesbegegnung. Zum Frieden anstecken lassen Franziskus strebte nach Macht und Ehre. Das Geld seines Vaters verprasste er gerne und grosszügig. Es blieb ihm die innerlich gefühlte Leere. Er scheute sich nicht, in den Krieg zu ziehen, um für die Freiheit seiner Stadt zu kämpfen. Die Gefangenschaft nährte seinen Traum vom Rittersein, um zu höchster Herrschaft zu gelangen. Die äussere Realität war aber Schmach und Schande. Innerlich bleibt er leer, unruhig und suchend. Als er die Armen und Aussätzigen wahrnimmt, versteht er die Sprache Gottes besser: Vor Gott sind wir alle wie Bettler, seine Gaben fliessen uns ununterbrochen zu. In dieser Wende vernimmt er den Ruf in die Nachfolge, die Kirche Jesu Christi aufzubauen. Er tut es handgreiflich und konkret, bis er versteht, dass es darum geht, den Weg Jesu selber zu gehen und dadurch seine Frohbotschaft zu den Menschen zu tragen: Sie nicht nur verkünden, sondern immer neu gebären, sie leben, das Geschaffene lieben und mit ihm leiden und auch sterben. Die Leere, das Unerfüllte ist Ursprung seiner Suchbewegung. Daraus floss ihm Energie, nach dem zu streben, was tiefer, höher und weiter, friedvoller ist als das unmittelbar Greifbare. Angerührt durch die Begegnungen mit Christus in den Erscheinungsformen dieser Welt, im Entdecken SEINES Daseins in den Niederungen des Geschöpflichen fand er die Höhen des Himmels. So versöhnte sich in ihm, was getrennt schien. Sein Gang zu den Sarazenen, waffenlos, macht deutlich: Die Wehrlosigkeit verschaffte ihm Zugang zum Sultan. Dieser spürte den Geist des Friedens, von dem sich Franziskus leiten liess, und die Echtheit, mit der er das Evangelium verkündete. Selber Frieden stiften Die Geschichte des Wolfs von Gubbio schlägt eine Brücke zwischen Kailash und Franziskus. Den Wolf in sich erkennen kann heissen, die Wut spüren und an sich heranlassen, ihr ins Auge schauen, wie Franziskus den Wolf anschaute, bis er ihm die Pfote reichte. Der Wolf in uns hat verschiedene Einkleidungen. Vielleicht gelingt es uns ihn zu zähmen, wenn wir ihm Frieden anbieten, wie Franz seine Brüder gelehrt hat, die Menschen zu grüssen: «Der Herr gebe dir Frieden», pace e bene. Dann kann das Wunder geschehen: Um uns und in uns entsteht ein Raum des Friedens. Sr. Beatrice Kohler, Hertenstein Sich anstiften lassen
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