9 Friedensstifterinnen Berufen, Frieden zu stiften Wenn ich versuche, mich als eine Art «Friedensbotin» zu sehen, hat das in erster Line mit meiner Berufung und Aufgabe in Papua Neuguinea zu tun. Da bin ich seit vielen Jahrzehnten im Einsatz. Friedensverhandlungen gehören zu meinem Alltag. Friede ist für mich ganz wesentlich für die Evangelisation. Friedenstiften ist so ganz und gar franziskanisch, und in einem Land, das viele Sippenkämpfe kennt, eine zentrale Aufgabe. Beim ersten grossen Sippenkampf, den ich erlebte, wurde mit Pfeil und Bogen gekämpft. Beim zweiten kamen zusätzlich selbst gebastelte Waffen hinzu. Beim dritten schmuggelte man zusätzlich Waffen ins Land. Und dann kam die Droge Marihuana als Tauschmittel für Waffen. Ein Erlebnis prägte mich besonders: Wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen waren die Strassen blockiert. Der vierzehnjährige Johannes war von einer Schusswaffe verletzt worden. Es ging um Leben und Tod. Als wir unterwegs ins Spital waren, forderten maskierte Kriminelle unser Auto. Für uns war dies eine Nervenstrapaze sondergleichen, aber auch ein Friedenstest. Wir versuchten, mit ihnen zu reden, ihnen den Wunsch der Menschen nach Frieden aufzuzeigen. Plötzlich war die Polizei da, und die vier verschwanden im dichten Gestrüpp. So gelang es uns, Johannes ins Spital zu bringen. Doch die vier Kriminellen tauchten dort wieder auf, aber unmaskiert. Sie waren voller Dankbarkeit, dass wir sie nicht verklagt hatten. Nach dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen setzten sie sich selber als Friedensvermittler ein und halfen, einen Friedensprozess ins Rollen zu bringen. Seither glaube ich, dass Friedenstiften eine lebenslange Mission ist für alle Menschen guten Willens. Damals im Auto mit dem verwundeten Jungen haben wir gesungen «Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden, die guten Willens sind.» Ein Gesang, den die Engel an Weihnachten in Bethlehem sangen, weil Gott als Kind, als Friedensfürst, in die Welt gekommen ist. Sr. Lorena Jenal Frieden stiften gehört zu meinem Alltag In unserer Familie war Friede sehr wichtig. Ein Erlebnis ist mir bis heute in Erinnerung. Eine junge Frau hatte Unwahres über Papa ausgesagt. Papa hatte dann ein klärendes Gespräch mit ihr. Ein paar Tage später war ich mit meiner Mutter im Garten. Diese Frau ging vorbei und schaute auf die andere Seite der Strasse. Meine Mutter grüsste sie freundlich. Ich fragte Mutter, warum sie grüsse. Die Frau schaue ja bewusst auf die andere Seite. Sie entgegnete: Wenn ich ihr ebenfalls den Rücken zukehre, führt dies zu Feindschaft. Wenn ich ihr immer wieder einen guten Tag wünsche, wird sie von selber wieder freundlich. Später in Papua Neuguinea habe ich verschiedene Stammeskämpfe erlebt. Es waren schwierige Zeiten. Tote, Verletzte, Schulen zerstört, Wege zum Spital versperrt, Strassen blockiert und viel Streit in Familien und Gemeinschaften. Ich kam mir sehr hilflos vor. Das Pfarreileben war Sr. Lorena Jenal, Goroka, PNG Sr. Monika-Pia, Mendi, PNG fast lahm gelegt. Nach einiger Zeit von Hass und Gewalt kam Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung auf. Es kam die Zeit, wo die Leute Hilfe suchten. Ich konnte bei den Friedensverhandlungen einiges beitragen. Wichtig für mich war – Beide Seiten gut anhören – Respekt haben für alle. Beiden Seiten beistehen, z. B. mit Medikamenten – Neutral bleiben und nicht urteilen – Verschiedene Gruppen einbeziehen, Jugendliche, Erwachsene, Frauengruppen, Gebetsgruppen, Regierungsangestellte, Lehrer, Spitalangestellte. Führer in der Pfarrei können oft gut vermitteln, weil sie meist Mitglieder auf beiden Seiten des Konfliktes haben – Immer wieder um Frieden beten, denn der wahre Frieden ist letztlich ein Geschenk von Gott. Seit zwei Jahren lebe ich mit einheimischen Schwestern, die durch eine schwierige Krise gegangen sind. Sie waren in zwei Gruppen gespalten. Sie durchlebten ein 5-monatiges Programm der Erneuerung, das zur Versöhnung führte. Seit diesem Neuanfang bin ich mit ihnen. Was ich vor vielen Jahren in meiner Familie mitbekam und was ich von den Leuten in den Stammesfehden lernte, kommt mir hier zugute. Gute Zusammenarbeit, Respekt, Wohlwollen und gegenseitige Liebe gibt uns die Hoffnung, dass die Franziskanischen Schwestern Mariens wieder neu Zeichen der Liebe Gottes sein können. Sr. Monika-Pia, Mendi
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