10 Sr. Renata Geiger, Baldegg Kloster Baldegg Innen – aussen Zwei Worte nur – aber ich glaube, dass darin das Geheimnis von Bruder Klaus als Friedensstifter zu finden ist. Wenn wir die Zelle des Heiligen im Ranft besuchen, kommen wir diesem Geheimnis auf die Spur. Zwei Fenster hat seine Zelle: eines öffnet den Blick auf den Altar, das andere geht zu den ratsuchenden Menschen – Zeichen für Spiritualität und Engagement. Das Fenster nach innen Mit fünfzig Jahren verliess Klaus seine Familie, seinen Beruf, seine öffentlichen Ämter und begann sein Leben als Einsiedler. Kann man da noch von zwei Fenstern sprechen, von Spiritualität und Engagement? Hat sich Bruder Klaus nicht eindeutig für das eine der beiden Fenster entschieden – für das «Fenster nach innen»? Sicher spielte für Bruder Klaus von nun an das Fenster, das ihm den Blick in die angebaute Kapelle freigab, eine entscheidende Rolle. Heinrich Wölflin schreibt: «Er hatte die tägliche Gewohnheit, dass er den ersten Teil des Tages von Sonnenaufgang bis Mittag einsam im Gebet und heiligen Betrachtungen zubrachte.» Das «Fenster nach innen» – die Zuwendung zu Gott in Betrachtung und Gebet – war für Niklaus von Flüe wichtig. Das war «seine» Berufung. Trotzdem vernachlässigte er im Ranft das «Fenster nach aussen» nicht. Das Fenster nach aussen Von Hans Waldheim hören wir: «Bruder Klaus tat das Glasfenster auf und sprach: Gott gebe euch einen guten und seligen Morgen, ihr lieben Leute und du liebes Volk.» Es blieb nicht bei diesem Gruss. Viele Ratsuchende fanden im Ranft Hilfe. Seine Einsiedelei war nicht Abgeschlossenheit. Er segnete und grüsste die Menschen, die zu ihm kamen. Einzelnen, die Rat suchten, öffnete er sich. Mit dem politischen Leben aus eigener Erfahrung vertraut, hatte er ein offenes Ohr für Vertreter der weltlichen Macht. Das Innen war die Voraussetzung für das Aussen. Nur so konnte Niklaus von Flüe zum Friedensstifter werden, denn Echter Friede erzählt von Gott und kommt von Gott Es war für Bruder Klaus eines, Versöhnung von Gott her zu erfahren und Versöhnung unter den Menschen zu stiften. So konnte er auch im Jahr 1481 bei der Tagsatzung in Stans vermitteln. Die Geschichte berichtet, dass die Teilnehmer schon ihre Pferde gesattelt hätten um abzureisen. Die Verhandlungen drohten zu scheitern. Da ging in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember 1481 Pfarrer Heimo Amgrund in den Ranft, holte Rat bei Bruder Klaus und rief am Morgen die Tagsatzungsherren nochmals zusammen. Der Rat des Bruder Klaus blieb geheim, aber er führte zu einer Einigung. Die Geschichte ging weiter: Der Rat von Bern schickte aus Dankbarkeit ein Geschenk in den Ranft, und Bruder Klaus antwortete in einem Brief. Darin fasste er seine Erfahrung zum Thema Friede in kurze Worte: «Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Friede, und Friede mag nicht zerstört werden, Unfriede aber wird zerstört. Darum sollt ihr schauen, dass ihr auf Frieden stellt!» Dieser Brief an den Rat von Bern zeigt uns, wie eng für Bruder Klaus Gemeinschaft mit Gott und Gemeinschaft der Menschen untereinander zusammengehören. Er wirft Licht nicht nur auf die Tagsatzung in Stans, sondern auch auf andere Bereiche seines Lebens, das ganz und gar von Frieden geprägt war. Nach innen und nach aussen Das Fenster zum Altar und das Fenster zur Welt hin, Spiritualität und Engagement, Engagement auch für den Frieden, gehörten für Bruder Klaus zusammen. Er mahnt auch uns zum Frieden, zum Frieden im eigenen Land und zum Frieden in der Welt. Er ermahnt uns aber vor allem zum Frieden im eigenen Herzen. Vielleicht ist dies sein besonderes Vermächtnis an uns. als Friedensstifter Bruder Klaus
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