11 «Ich habe mich sehr danach gesehnt...» Jesus stiftet uns zum wirklichen Leben an, indem Er uns teilhaben lässt an Seiner Liebesfülle. Er stiftet uns an zu einem Leben der Hingabe mit Ihm. Das ganze Leben Jesu in Seiner Menschwerdung ist gleichsam ein einziges Wort des Vaters, uns endgültig für sich zu gewinnen (vgl. Hos 2,21). Konkret wird das in Jesu Verkündigung des Reiches Gottes, in Seinem Handeln an den Menschen und vor allem auch in den Gastmählern – mit den Zöllnern und Sündern (Lk 5,30; 15,2; 19,7; auch 7,36). Sie stehen im Zusammenhang mit dem Abendmahl. Gott in Jesus will uns mit Vorliebe im Mahl begegnen. Darin zeigt sich die sammelnde Liebe Gottes, die allen Menschen zuteil werden soll. Wie ein Refrain hören wir aus der Heiligen Schrift: «Ihr werdet mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein» (Ex 6,7; Jes 25,6-9; Jer 7,23; Ez 36,28; u.a.). Am Kreuz und in der Auferstehung zeigt sich die sammelnde Liebe Gottes zu uns bis zum Äußersten und will sich in der Eucharistie für immer an die Menschen verströmen: Als die Stunde gekommen war, begab er sich mit den Aposteln zu Tisch. Er sagte zu ihnen: Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen (Lk 22,14). Diese Worte Jesu legen den Zusammenhang zwischen Kreuz und Eucharistie offen: vor meinem Leiden – dieses Paschamahl mit euch zu essen. Ohne konkrete Hingabe der Liebe Jesu am Kreuz, bliebe die Feier der Eucharistie ungedeckt. Die Kraft der Liebe am Kreuz und in der Auferstehung, geschenkt in der Eucharistie, verleiht unserem Leben eine völlig neue Ausrichtung. Wir werden in Jesus hineingenommen, in den Raum der dreieinigen Liebe. Paulus formuliert diese Wirklichkeit ganz prägnant: «Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. So lebe ich jetzt im Glauben an den, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat» (Gal 2,20). In der Eucharistie werden wir hineingenommen in die Dynamik der rettenden Liebe Gottes an die Welt. « ... dann liegt auf dem eucharistischen Tisch euer eigenes Geheimnis» In der Eucharistie werden wir hineinverleibt in Jesus Christus – und zugleich verbunden mit allen. Denn Gott schenkt sich in Jesus Christus an alle, an die Kirche und durch sie an die ganze Welt: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird ... Mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird. Wir glauben: In der Eucharistie stiftet Jesus Gemeinschaft, die Kirche. In der Teilnahme am Brotbrechen, an der Eucharistie, wird dieser Leib Christi, die Kirche, immer mehr aufgebaut: «Er, Christus, ist das Haupt. Durch ihn wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt in jedem einzelnen Gelenk» (Eph 4,15f). Von hier aus formuliert Augustinus: «Wenn ihr selbst Leib Christi und seine Glieder seid, dann liegt auf dem eucharistischen Tisch euer eigenes Geheimnis. Werdet also, was ihr seht – Leib Christi. Und empfanget das, was ihr seid – Leib Christi.» Zusammenfassend Worte von Papst Benedikt XVI. aus der Enzyklika Deus caritas est: «In der Kommunion werde ich mit dem Herrn vereint wie alle anderen Kommunikanten: «Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib, denn wir alle haben teil an dem einen Brot» (1 Kor 10,17). Die Vereinigung mit Christus ist zugleich eine Vereinigung mit allen anderen, denen Er sich schenkt. Ich kann Christus nicht allein für mich haben, ich kann Ihm zugehören nur in der Gemeinschaft mit allen ... Die Kommunion zieht mich aus mir heraus zu Ihm hin und damit zugleich in die Einheit mit allen Christen. Wir werden ‹ein Leib›, eine untereinander verschmolzene Existenz» (14). Br. Wilhelm Germann OFMCap., Baldegg Eucharistie stiftet Gemeinschaft
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