12 Wer erfahren hat, dass Geld nicht einfach vom Himmel fällt, sondern Ergebnis ausdauernder Anstrengung ist, geht vielleicht sorgfältiger, gerechter um mit Geld. Meine Mutter und ich hatten nie genug Geld. Es reichte einfach nie – das hat mich geprägt! Mein erstes Geschäft habe ich mit dem Trinkgeld finanziert, welches ich als Tankwart bekommen habe. Ich hatte ein Ziel und habe dieses hartnäckig verfolgt und erarbeitet. Sie fragen sich, was für ein Ziel? Das Ziel: Nie mehr ohne Geld einkaufen und die Ware aufschreiben lassen müssen. Dies musste ich als Kind zu oft, und dafür habe ich mich geschämt. Sie können sich meine Freude kaum vorstellen, als ich – aus eigener Kraft – immer mehr aus dieser leidigen Mangelsituation herausfand. Zugegeben – eine rechte Portion Fingerspitzengefühl und ein verlässliches Gespür für die jeweilige Situation waren und sind bis heute mit mir. Anstrengung, begleitet von gutem Geschick und dem nötigen Mut, führt zu Erfolg. Und das ist es, was mich von innen her verpflichtet, andere, vor allem Benachteiligte, an diesem Erfolg teilhaben zu lassen. Die Sorgfalt im Umgang mit Geld übertrug sich bei mir auch auf Häuser und Landschaften. Ein Beispiel dafür ist der Gutshof Grütschelen auf der einmaligen Halbinsel Hertenstein. Mit der stimmigen Restauration dieses historischen Bauernhofes liess sich ein Stück Hertensteiner Geschichte retten und eine wunderbare Seelage schützen. SH Sie, Herr Fluri, haben es erfahren: Nie genug Geld haben, ist demütigend. Zwei Meinungen – ein Thema Es gibt nichts Gutes Von Schreibtisch zu Schreibtisch: Sr. Hildegard Willi (SH), Psychologin, im Gespräch mit Guido Fluri (GF), Unternehmer ausser: Man tut es SH Ich sitze da mit dem Bleistift in der Hand. Mein Blick schweift aus dem Fenster über den Lindenberg; er ist von mildem Septemberlicht umfangen. Ich drehe und drehe an meinem Bleistift, doch der gute Einfall kommt nicht. Das Thema «vom Stiften» stellt sich mir sperrig. Auch das viele Gerede und Geschreibe vom Sinn- und Friedenstiften hilft nicht. – Da bricht jäh die Spitze meines Bleistifts. – Das ist es, fällt mir ein: Der Grafit in meinem Stift kann brechen, zerbröckeln, ist verletzlich. In Holz gefasst, ist er geschützt, ‹haltbar› und kann einem überdauernden Nutzen zugeführt werden. So bringe ich meine Gedanken aufs Papier; sie überdauern den Augenblick, gelangen schliesslich zu den Leserinnen und Lesern dieses Journals. Derselbe gut geschützte Stift in meiner Hand kann auch missbraucht werden: Er kann lügen, anfeinden, täuschen, sich rächen und vieles mehr. Ich sinniere weiter: Häuser, Landschaften, Kunstwerke, Institutionen und Religionen können – wenn schutzlos – zerbröckeln und unbrauchbar werden. So ist es auch mit dem Geld, das bekanntlich die Welt regiert. Der erfolgreiche Unternehmer Guido Fluri muss es wissen. GF Wer Geldmangel erlebt hat, ist vielleicht fähiger, Geld zu schützen und zu schätzen. Viel Geld haben, kann gefährden. Geld braucht also Schutz, dass es nicht verkommt oder lebensfeindlichen Zielen huldigt. Stiftungen wollen Geld schützen. Ich staune: Im Sozialstaat Schweiz soll es um die 13 000 gemeinnützige Stiftungen geben. Rund 500 Hilfswerke sammeln in der Schweiz jährlich eine Milliarde gemeinnützige Spenden. Mit dem Verleih eines Gütesiegels schützt die ZEWO dieses Geld. Stiftungen sind bekanntlich besondere Geschöpfe. Sie sind finanziell und politisch unabhängig, geniessen eine grosse Handlungsfreiheit. Das macht sie zu wichtigen Impulsgebern in der Zivilgesellschaft. Diese Freiheit ist einerseits ein starkes Privileg. Sie ruft anderseits zur Verantwortung, die gesellschaftliche Entwicklung mitzugestalten, auf Schwachstellen und Unrecht hinzuweisen und selber wirksam zu werden. Mit dieser Verantwortung machen Sie mit Ihrer noch jungen «guido-fluri-stiftung» ernst. Auf Ihrer Homepage lese ich: «Zu einer gesellschaftlichen Verantwortung gehört auch die Begleitung von Menschen und ihren Schicksalen. Schon allein der Versuch, jemanden in einer Notlage besser zu verstehen, kann Welten bewegen». Was haben Sie bisher mit dem Projekt «Gewalt an Kindern» in dieser Welt bewegen können? GF Als ich im Jahre 2009 die Guido Fluri Stiftung (www.guido-fluri-stiftung. ch) gegründet habe, wollte ich mit den drei Stiftungszwecken, die übrigens alle mit Erich Kästner
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