baldeggerjournal

5 Überfordert das Leben im Kloster? «Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen. Diejenigen, die sich von ihm retten lassen, sind befreit von der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Vereinsamung. Mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude.» Diese Worte von Papst Franziskus gelten allen Christinnen und Christen. Jene, die Liebe zu Gott und zu den Menschen tun möchte, muss rein diesseitige Kategorien übersteigen. Allein auf der Ebene des Glaubens, des Vertrauens, der Liebe ist eine Selbsthingabe möglich. Das Ordensleben lässt sich nur aus der Beziehung zu Gott erklären. Die Hingabe an Gott und die Mitmenschen überfordert nicht, wenn sie mit Liebe und Überzeugung gelebt wird. Die ständige Begegnung mit Jesus befreit und entlastet, motiviert und schenkt Kraft. Es ist darum von grosser Bedeutung, was uns letztlich wichtig ist, worauf wir uns konzentrieren, ob wir die «erste Liebe» nicht verloren haben. Alles hat mit der aufrichtigen Entscheidung für diese Lebensform zu tun. Papst Franziskus, als Jesuit selber Ordensmann, weist aus Erfahrung auf Versuchungen hin, die die getroffene Entscheidung zur Ganzhingabe des Lebens relativieren. Zum Beispiel «die eigene Ehre und das persönliche Wohlergehen suchen, die übertriebene Sorge um Freiräume der Selbständigkeit, der Zeit und der Entspannung». Wenn die geistlichen Beweggründe und eine tragende Spiritualität verloren gehen, werden die «Pflichten übermässig ermüdend. Es geht dann nicht mehr um eine friedvollheitere Anstrengung, sondern um eine angespannte, drückende, unbefriedigende und letztlich nicht akzeptierte Mühe». Aus solchen Haltungen, die der gewählten Lebensform widersprechen, wächst eine Überforderung. Wer Jesus Christus in die Mitte seines Lebens stellt, was der Sinn des gottgeweihten Lebens ist, sollte kein Opfer der Überforderung sein, sondern eine Botin der Gelassenheit und der Freude. Denn wenn die Beziehung zu Gott stimmt, wenn wir Jesus im Alltag begegnen im Gebet und bei der Arbeit, wenn wir uns von ihm geliebt wissen und diese Liebe den Mitmenschen weitergeben, dann sind wir befreit von der Traurigkeit, von der inneren Leere, von der Vereinsamung und auch von der Überforderung. Immer wieder wird uns Kraft und Freude geschenkt. Sr. M. Martine Rosenberg, Baldegg ihr Leben Gott geweiht haben, also ihre ganze Liebe und Hingabe Gott und den Mitmenschen schenken wollen, erfahren die tiefe Wahrheit dieser Worte besonders stärkend. Wer Jesus begegnet, das heisst, wer ihn kennen lernt, wer mit Jesus vertraut ist, wer sich von ihm lieben lässt und ihn von Herzen liebt, ist gefordert, ist herausgefordert, ist vielleicht auch überfordert. Denn die Liebe verlangt ja entsprechendes Handeln, ein authentisches Leben, die Nachfolge. Jesus nachfolgen, also in einer Ordensgemeinschaft so zu leben versuchen wie er gelebt hat, ist eine grosse Herausforderung. Ein solches Leben entspricht nicht unserem «normalen» menschlichen Denken und dem Trend von Welt und Zeit. Wer sein Leben Gott weiht, wer alles aus

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