baldeggerjournal

7 Wenn wir von der Politik das Paradies auf Erden erwarten, ist sie mit ihren Möglichkeiten völlig überfordert. Das Fenster zum Unendlichen Bleibt also der «Hungerleider» Mensch auf sich selbst zurückgeworfen? Im Hungerleider steckt eine Sehnsucht, die ihn weit über sich hinausträgt. Die Sehnsucht kommt aber nur dann ans Ziel, wenn sie nicht im Endlichen stecken bleibt. Wo wir satt und übersatt sind, erstirbt die Sehnsucht. Wo uns jedoch der Mangel in allem Endlichen bewusst bleibt, erwacht in uns die Sehnsucht nach einem «mehr», das sich dinglich nicht festmachen lässt. Diese Sehnsucht ist wie ein Fenster in unserer Endlichkeit, durch das wir ein Jenseits erblicken. Der Durchblick in eine Welt, die uns über alle Endlichkeit hinausträgt, wird uns gegeben in den Augenblicken, in denen wir uns losgelöst haben aus der Befangenheit im Endlichen. Das sind die Augenblicke, in denen wir zufrieden sind mit dem, was wir sind und was wir haben. Es sind Augenblicke, in denen das Leben seinen Sinn bewahrt, auch im Mühevollen und im Widersprüchlichen, Augenblicke, in denen wir ein inneres Glück erfahren. Der Blick ins Jenseits lässt die Sehnsucht satt werden im Bruchstückhaften, lässt uns aber immer neu Ausschau halten nach dem «mehr», das der Seele Frieden gibt und Ruhe. In der Erfahrung unserer Endlichkeit und im Verkosten der bruchstückhaften Unendlichkeit unseres Lebens liegt eine Spannung, die uns wach hält und Lebensfreude weckt. Das Gebet der Christen, das Vaterunser, ist das Gebet vom Menschenmass. Es lässt uns bitten, dass wir zu unseren Grenzen stehen: Führe uns nicht in Versuchung der Masslosigkeit. Gib uns täglich das Brot für den wahren Hunger des Lebens.

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