3 Bildungshaus Stella Matutina In den Gebeten des Heiligen Franz kommt diese Spannung besonders zum Ausdruck. Im Lobpreis Gottes von La Verna betet er so: «Du bist der heilige Herr, der alleinige Gott … du bist die Liebe, die Minne. Du bist die Demut.» Franziskus verkündet keine neue Lehre. Er zeigt einen Weg. Er ermutigt zu einem Leben, das sich ganz auf Gott hin ausrichtet und dadurch Leben in Fülle erfährt, da der Heilige Geist zur Hingabe an den Menschen und allem Geschaffenen befähigt und die Erfahrung schenkt, dass kein Mensch aus der göttlichen Liebe heraus fallen kann. Jeder Mensch hat eine unverlierbare Würde und Einmaligkeit, denn jeder ist Gottes Ebenbild. Dieser Grund lässt Franziskus sagen: «… durch die Liebe Gottes einander freiwillig dienen und gehorchen.» Dass Gott die Welt liebt, macht den Menschen und die Welt wertvoll. Wer geliebt wird und sich geliebt weiss, weiss sich wertvoll. Was oder wen ich liebe wird dadurch wertvoll. Ansehen, Wert und Würde werden uns geschenkt durch Liebe. Den Menschen dienen. Was kann das für uns heute bedeuten? Für Viele ist diese Aussage auf keinen Fall zeitgemäss. Der Dienste bedürftig jedoch sind wir alle. Worin besteht das Wesentliche unserer Dienste? Im Entgelt der Arbeit oder mehr im Geschehen an und in den Menschen? Dazu eine kleine Geschichte aus meinem heutigen Morgen: Ein junger Herr hat diese Woche täglich in der Frühe in der Lesenische unseres Bildungshauses in Hertenstein die Zeitung gelesen. Wir haben jeweils einen Blick getauscht und uns gegrüsst mit dem Wunsch für einen guten Tag. Heute hat er hinzugefügt: «Der Himmel ist grau – aber Hauptsache, das Herz ist sonnig und warm, oder?» Er hat sich bedankt für die Woche, mir eine gute Zeit gewünscht und nachgeschoben: «Ich freue mich, dass wir im November wieder hier sind.» Die Worte des jungen Mannes haben mich für den heutigen Tag ermutigt. Er hat schlicht und natürlich umgesetzt, wie franziskanische Spiritualität im Konkreten sich ausdrücken kann: In Wertschätzung und Dankbarkeit. Mit dem Gebet des Heiligen Franz vor dem Kreuz von San Damiano können wir für unseren Weg bitten: Höchster, lichtvoller Gott, erleuchte die Finsternis in meinem Herzen. Gib mir einen Glauben, der weiterführt, eine Hoffnung, die durch alles trägt, und eine Liebe, die nichts und niemanden ausschliesst. Lass mich spüren, wer du, Herr, bist, und erkennen, wie ich deinen Auftrag erfülle. Amen.
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