baldeggerjournal

5 die Schwierigkeit darin, dass man in verschiedene Richtungen weitergeht. Und man muss dann vielleicht entdecken, dass man noch weiter auseinander geraten ist. Dann gilt es wieder neu gemeinsam danach zu suchen, worin das Ziel der Einheit besteht. Meine Hauptsorge liegt eigentlich darin, dass viele Menschen an der Zerspaltung gar nicht mehr leiden. Sie schauen die Trennung als selbstverständlich an und sagen: «Das Bunte zu lieben sind wir da.» Aber der Auftrag von Jesus ist, die Einheit zu suchen. Darum leide ich manchmal schon am meisten darunter, dass viele Gläubige, übrigens auch Katholiken, an der fehlenden Einheit gar nicht mehr leiden. Damit macht sich die Ökumene letztlich überflüssig. Dienen wird von nicht wenigen Leuten als hinterwäldlerisch und altmodisch abgetan. Andere betonen, dass dienen das Markenzeichen par excellence für ein christliches Leben ist. Wie sehen Sie das? Hinter dem negativen Gefühl steht letztlich die Angst, dass man sich beim Dienen unterwerfen muss und man nicht mehr frei ist. Ich glaube aber, dass es für den Christen wesentlich ist, dass er nicht dienen muss, sondern dass er dienen will, weil er einem Gott begegnet, der selber dient. Gottesdienst ist zuerst Dienst Gottes an uns Menschen und erst dann unser Dankbarkeitsdienst gegenüber Gott. Wenn Gott es schon nicht unter seiner Würde sieht, im Dienst von uns Menschen zu stehen, dann kann es für den Christen keine Erniedrigung sein, wenn auch er im Dienst von andern steht. Und was hilft Ihnen persönlich zu dieser Freiheit des Dienstes? In der Bibel haben wir das wunderschöne Bild von Maria, die die Botschaft von Gott her empfängt und nachher sagt: «Ich bin die Dienerin des Herrn, mir geschehe wie du gesagt hast». Das ist nicht Unterwürfigkeit, das ist auch nicht Unfreiheit, sondern das ist ein höchster Akt von Freiheit, den Maria hier setzt. Wer aus dieser Überzeugung lebt, dass man auch zum Dienen berufen sein kann, der gewinnt mehr Freiheit – und verliert sie gerade nicht. Diese Gewissheit hilft mir. Interview: Sr. Marie-Ruth Ziegler Kardinal Kurt Koch, Rom

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