6 Unser Dienst – die Gastfreundschaft Staunend stehen meine Mitschwestern und ich vor einem vierjährigen Birnbäumchen im Garten der Klosterherberge. Wie sind die Früchte während unserer Sommerferienpause gewachsen. Wir raten, wie viele Birnen an den schwer beladenen Ästen hängen. Es sind über 130. Die Natur hat uns überreich beschenkt. Das Bild der vielen Früchte inspiriert mich, wenn ich an die Entwicklung unserer Klosterherberge denke. Im Frühling dieses Jahres feierten wir ein kleines Betriebsjubiläum. Das war wie Erntedank. Viele Gäste sind bei uns in den vergangenen fünf Jahren eingekehrt, und es werden immer mehr. Sinnstiftende Arbeit Im «Bedienen» unserer Gäste erfahren wir viel Positives, das uns in unserer Aufgabe bestätigt und motiviert. Wenn ein Fest oder ein Anlass von A–Z rund verläuft, sich unsere Gäste wohl fühlen und sich dankbar, glücklich und gestärkt verabschieden, sind das unsere Früchte im übertragenen Sinn. In diesem Einsatz erleben wir viel Sinn. Es ist das Wissen darum, etwas zum einen gemeinsamen, über uns hinausweisenden Werk beizutragen. Was ist wichtig für unsere Gäste mit ihren unterschiedlichen Erwartungen? Ist es Freundlichkeit, Offenheit, Aufmerksamkeit, Zuvorkommenheit, guter Service, eine wohltuende Atmosphäre? Für uns gehören zur Gastfreundschaft ganz verschiedene Dienste, auch kleine und unscheinbare. Es ist ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren, die erst in der Vernetzung einen reibungslosen Ablauf ermöglichen, einem Anlass zum Gelingen verhelfen. Das fordert uns immer wieder heraus. Viele Gästegruppen wählen die Klosterherberge als Ort der Stärkung oder für das zielgerichtete Arbeiten. Sie stehen im Dienst von Menschen oder einer Sache – genauso wie wir. Aus der bunten Gästeschar vom September, fanden sich einige, die ihre Gedanken zu ihrem Dienst und ihrer Motivation mit uns teilen. Eine positive Zukunft fördern Der Sozialpädagoge Matthias Villiger aus Untersiggenthal besuchte uns mit Jugendlichen. Er bekommt oft zu hören: «Deine Arbeit könnte ich nie machen.» Für ihn spiegeln solche Aussagen den gesellschaftlichen Trend mit Jugendlichen umzugehen. Aus seiner Sicht werden diese oft nicht ernst genommen und mehr geduldet als integriert. Sein Statement lautet: «Ich diene den Jugendlichen aus Überzeugung und mit Herzblut, um bei ihnen eine positive, auf christlichen Werten basierende Zukunft zu fördern.» Mit Herz, Hand und Verstand Bei der Klausurtagung der Alters- und Pflegeheim AG Hochdorf meint Frau Erika Stutz, Vorsitzende der Geschäftsleitung, die täglich für und mit Menschen arbeitet: «Im Alltag gibt es Situationen, welche das Dienen erfordern. Mit Herz, Hand und Verstand zu dienen, ist sehr anspruchsvoll, und wenn es zu 100% gelingt, fühlt es sich unglaublich gut an.» Fokus auf partnerschaftliches Verhältnis Die Firma BAKELS, Hochdorf, traf sich bei uns mit ihren Kunden zu ihrer Backvision. Der Geschäftsführer Benno Eigenmann findet den Begriff «dienen» passend, denn der Kunde ist für ihn König. Er begründet: «Da der Kunde unsere DienstLeistung annimmt, entsteht Vernetzung und Beziehung, es wächst gegenseitiges Vertrauen. Dieser Prozess schenkt Freude und motiviert die Mitarbeitenden, um mit den Kunden zusammen gute Lösungen zu finden.» Ehrliche Sprache Am Glaubens- und Begegnungstag der Luzerner Landeskirche leitete die Theologin Franziska Loretan einen Workshop zum Thema «Gott ist anders». Sie sagt: «Mir ist eine ehrliche und verständliche Sprache wichtig, gerade auch wenn es um die Rede von und über Gott geht.» Die Auseinandersetzung mit literarischen Texten ermöglichen ihr, auch mit «kirchenfernen» Menschen im Gespräch zu bleiben. Innovation und Dankbarkeit Die Kirchenpflegepräsidentin Daniela Allenspach kam mit ihrem Team zu einer Klausurtagung. «Ich setze mich gern für die Kirchgemeinde ein, weil ich überzeugt bin, dass diese Arbeit viel Innovation zulässt, aber auch grosse Dankbarkeit auslöst. An Projekten zu arbeiten, die andere und mich selbst beglücken, bereitet mir Freude.» Weil sie sich in einem wertschätzenden Team aufgehoben fühlt, sind für sie unbefriedigende und mühKloster Baldegg Sr. Katja Müller, Baldegg
RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=