baldeggerjournal

3 Kloster Baldegg Abgeschafft? P. Paul Anthamatten, Baldegg Ich war etwas überrascht, wie ich hörte, dass das neue BaldeggerJournal sich mit dem Problem «Vom Sündigen» befassen werde. Unwillkürlich tauchten in mir Erinnerungen an die Moralvorlesungen an der Universität in Freiburg zu Beginn der vierziger Jahre auf. Über die Sünde wurde geradezu ein Semester lang gesprochen. Zuguterletzt sahen wir fast nur noch «Sünden». Auch das damalige Buch «Vademecum» (Anleitung für die Beichtväter) befasste sich mit einer Unzahl von möglichen «Todsünden». Und wie sieht das Problem «Sünde» heute aus? «Abgeschafft», wie man das zuweilen hört, ist sie nicht. Aber man spricht eine andere Sprache. Wir sehen sie in einem anderen Licht. Ich sage bewusst «Licht», weil es heller geworden ist. Aber was ist auch heute noch «Sünde»? Wichtig ist vor allem, dass wir uns an der Heiligen Schrift orientieren. Im Alten Testament ist Sünde Ein-Sich-Verfehlen gegen jemand, besonders gegen Gott. Es geht aber auch um Verfehlungen den Mitmenschen gegenüber. In den Verfehlungen gegen die Menschen wird Gott selbst beleidigt. Aber auch im Alten Testament ist Gott ein barmherziger Gott. Und im Neuen Testament spricht Jesus ganz klar von Sünde und Schuld, betont aber vor allem die rettende Liebe und die grosse Barmherzigkeit des himmlischen Vaters. Denken wir an die Schilderung vom guten Hirten und vor allem vom verlorenen Sohn. Und genau seine Schilderungen wurden für mich richtunggebend als Beichtvater. Aber beim Wort «Beichtvater» taucht die Frage auf: Wird heute überhaupt noch gebeichtet? Ja, es wird. Ich habe das oft genug erlebt. Erwachsene, aber vor allem jüngere Menschen suchen Beichtgespräche. Aber sie müssen spüren, dass der Beichtvater Zeit hat und bereit ist, auf ihre Probleme einzugehen. Leider ist heute die Zahl der Beichtväter sehr klein geworden. Wie soll das weitergehen? Die Bussfeiern werden auch nicht mehr besucht, wie das einst der Fall war. Vor allem die jungen Leute sagen: Sünden sind eine Angelegenheit zwischen Gott und mir. Sie sehen nicht, wie das der Botschaft Jesu widerspricht, der zu Petrus sagte: «Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was du auf Erden binden wirst, wird auch auf Erden gebunden sein; und was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein». (Mt 16,19) Das gilt für die persönliche Beichte wie für eine Bussfeier mit Absolution, wo das nötig geworden ist. Der momentane Einsatz der Laien in der Kirche ist grossartig. Aber durch das Fehlen der Priester verliert sie etwas Entscheidendes. Deshalb ist es sehr ermutigend, festzustellen, dass sich diesbezüglich etwas tut, und zwar nicht nur in Afrika, Asien und Südamerika, sondern auch in den westlichen Ländern. Der hl. Papst Johannes Paul II. sagte öfters: «Die Kirche geht einem Frühling entgegen. »

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