baldeggerjournal

5 Auftrag des Auferstandenen an die Jünger und an uns alle ist. – Sünden vergeben. Sündenvergebung ist nicht nur an den Beichtstuhl oder an die Bussfeier gebunden. Es handelt sich auch nicht um eine Vollmacht, die nur den Aposteln und ihren so genannten Nachfolgern, den Bischöfen und Priestern, übergeben worden ist. Mit den Jüngern sind alle gemeint, die sich aufmachen um Jesus zu folgen. Die ganze Gemeinde soll der Ort sein, an welchem Sündenvergebung geschehen soll. Aber wie soll das vor sich gehen, und was ist damit gemeint? Ein Blick auf Jesus Hier wäre es gut, einen Augenblick innezuhalten und hinzusehen und hinzuhören, wie Jesus den Leuten begegnet, die ja samt und sonders Sünderinnen und Sünder waren: – Den Gelähmten macht er wieder aufstehen. – Die Schwiegermutter des Petrus nimmt er bei der Hand und richtet sie auf. – Den Aussätzigen umarmt er. – Er isst und trinkt mit Zöllnern und Sündern und liegt zu Tisch beim Pharisäer Simon. – Den Mann mit der gelähmten Hand stellt er in die Mitte des Synagogengottesdienstes. – Mit Jairus, dem Vater des verstorbenen Töchterchens, macht er sich auf den Weg. – Die müden Leute, die ihm nachgefolgt sind und ihm zugehört haben, lässt er lagern und gibt ihnen zu essen. – Den Oberzöllner Zachäus spricht er auf offener Strasse an und lässt sich von ihm einladen. – Er mutet dem reichen Mann zu, alles zu verlassen und ihm nachzufolgen. Also: Berühren, an der Hand nehmen, umarmen, mitgehen, sich einladen lassen, trinken und essen, bleiben, jemandem etwas zumuten, Vertrauen schenken … all das und noch viel mehr verbirgt sich hinter dem, was wir etwas abstrakt und kompliziert in das Wort fassen: Sünden vergeben. Wenn wir einmal diese schwierigen Ausdrücke wie Frieden, Geist und Sündenvergebung nach dem untersuchten, was sich dahinter an Lebendigem und Faszinierendem, an Menschlichem und Schöpferischem ereignet, würden wir bald einmal sehen, dass es im Grunde genommen jedes Mal um etwas sehr Ähnliches geht. Besser, als so schwierige und abstrakte Ausdrücke zu gebrauchen, wäre also, das Leben, das dahinter steht, zu beschreiben und zum Zuge kommen zu lassen und auszuprobieren. Der Auftrag, Frieden zu bringen, der Auftrag, Sünden zu vergeben, dieser Auftrag, so theologischabstrakt er auch klingt, besteht im Grunde genommen in einem ungemein einfachen, aber auch ungemein realistischen Tun: berühren, an der Hand nehmen, mitgehen, sich einladen lassen, bleiben, miteinander reden, essen und trinken, jemandem etwas zumuten, Vertrauen schenken, Vorurteile abbauen ... Und wer möchte leugnen, dass wir mit einem solchen Tun die Welt und uns selbst dem Frieden, der Einheit, der Ganzheit, der neuen Schöpfung immer wieder einen Schritt näher bringen?

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