7 Unter diesem Blick Gottes, können mir Einsichten geschenkt werden: Wer bin ich? Welche Möglichkeiten und Fähigkeiten trage ich in mir? Wozu bin ich eingeladen und herausgefordert? Es ist befreiend zu wissen, dass ich Gott gegenüber keine Maske brauche, weil er mich bereits kennt, versteht und annimmt! Ich brauche mich nicht selbst im Griff zu haben. Ich gebe Gott die Chance, in die Mitte meines Lebens zu rücken. Von ihm lasse ich mir zeigen, was jetzt Not-wendend ist und dem Leben dient. Für mich ist es diese Gewissenserforschung, die mein Leben vertieft und Gottes Barmherzigkeit erfahrbar werden lässt. Die unerschütterliche Liebe Gottes ist überwältigend. Gewiss, ich kann seine Liebe zwar betrüben und enttäuschen, aber nichts, was ich tue oder unterlasse, kann ihre Tiefe oder Tatsächlichkeit beeinträchtigen. Sie ist ein gegebenes Geschenk ohne Anfang und Ende. Weder mein Bemühen, diese Liebe zu erwerben, noch mein Bemühen, von ihr wegzukommen, vermag ihr Mass zu verändern. Ich kann diese Liebe weder verdienen, noch erwerben. Gottes grösster Wunsch ist, dass ich seine unverbrüchliche Liebe annehme und mit meinem Leben beantworte. Ich bin «sein Augen-Blick» (Heinrich Schlier). Eine eindrückliche Geschichte von Anthony de Mello SJ verdeutlicht, was unter dem Blick Jesu geschehen kann: Liebesblick «Ich hatte ein ziemlich gutes Verhältnis zum Herrn. Ich pflegte ihn um Dinge zu bitten und mich mit ihm zu unterhalten, ihn zu loben und ihm zu danken. Aber ich hatte stets das unangenehme Gefühl, er wolle mich veranlassen, ihm in die Augen zu sehen. Und ich wollte nicht. Ich redete zwar, blickte aber weg, wenn ich spürte, dass er mich ansah. Immer sah ich weg, und ich wusste warum. Ich hatte Angst, einen Vorwurf dort zu finden, wegen irgendeiner noch nicht bereuten Sünde. Ich dachte, ich würde auf eine Forderung stossen: irgend etwas wollte er wohl von mir. Eines Tages fasste ich Mut und blickte ihn an. – Da war kein Vorwurf. Da war keine Forderung. Die Augen sagten nur: ‹Ich liebe dich.› Ich blickte lange in diese Augen, forschend blickte ich in sie hinein. Doch die einzige Botschaft lautete: ‹Ich liebe dich.›» ... und Gott sah, dass es gut war Jeden Tag versuche ich den Liebesblick Gottes auch in der Schöpfung und in der Gemeinschaft der Menschen meines Alltages wahrzunehmen. Die einmalige Landschaft der Halbinsel Hertenstein, der See und die Berge, die aufsteigende und untergehende Sonne in der Vielfalt ihrer Erscheinungen, das wachsende Leben in der Natur ... sie sind mir Zeichen der Herrlichkeit Gottes mitten unter uns. Und dann denke ich oft: Es wäre sünd und schade, wenn wir 14 Baldegger Schwestern hier in der Stella Matutina diesen wunderbaren Flecken Erde und unseren Alltag nicht mit anderen Menschen teilen würden, wenn wir Ruhe, Stille, Gebet und zweckfreies Dasein nur für uns alleine in Anspruch nähmen. «Gastfreundschaft beschenkt auch den, der die Gäste empfängt» – so erleben wir unsere Gäste auch als Botschafterinnen und Botschafter für unsere Gotteserfahrungen.
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