11 Richtschnur seines Denkens und Handelns, sondern die Parameter, die Gott durch Bibel und Tradition offenbart hat. Besonders deutlich in ihrer Radikalität und ihrem hohen Anspruch werden sie im Handeln und Wirken seines Sohnes Jesus Christus. Gleichzeitig jedoch wird gerade durch das Leben dieses Messias gezeigt, dass Gott dem Menschen die Freiheit gibt, seinen Weg selbst zu wählen. Somit lässt er uns Freiraum, unser Leben nach unserem Gutdünken zu gestalten, selbst wenn dies gegen seine Grundsätze verstösst. Er akzeptiert unsere Irrungen und Wirrungen, denn er weiss um unsere Unvollkommenheit und unsere Schwächen. Seine unerschütterliche Liebe aber macht es auch möglich, zu verzeihen, Sünden zu vergeben, uns anzunehmen mit all unseren Fehlern und Schwächen: «Ich fege deine Vergehen hinweg wie eine Wolke und deine Sünden wie Nebel. Kehr um zu mir; denn ich erlöse dich.» (Is 44.22) 4. Schuld, Vergebung und Aussöhnung Wie konnte es aber dann dazu kommen, dass viele Menschen dieses unerhört grosszügige Angebot ausschlagen, sich wegwenden von einem Gott, der ihnen nicht nur barmherzig alle Sünden vergibt, sondern ihnen sogar ein ewiges Leben verspricht? Die Gründe sind vielseitig, dürften aber nicht nur im gesellschaftlichen Säkularifür alle Ebenen und wird auch im therapeutischen Bereich durch die Psychologie immer neu bestätigt. Positive, konstruktive Energien werden frei, um eine neue, bessere Welt aufzubauen und ein harmonisches Zusammenleben zu ermöglichen. 5. Die Aussicht auf ein ewiges Leben Aus der Perspektive des Glaubenden eröffnet sich in alledem aber noch ein weit radikalerer Hoffnungshorizont: Gottes Liebe ist umfassend. In ihr ist nicht nur die Vergebung all unserer Sünden möglich, sondern sie umfasst auch die Verheissung eines ewigen Lebens. Eines paradiesischen Lebens, in dem Gott selbst bei den Menschen leben wird. «Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben und keine Traurigkeit, keine Klage und keine Quälerei mehr. All dies ist für immer vorbei» (Off 21,3-4).Was kann sich der heutige Mensch mehr wünschen, als eine solch befreiende Erlösung aus all seiner Ungeborgenheit? Um den Zugang zu dieser erlösenden Botschaft wieder zu ermöglichen, ist es wichtig, die Frohbotschaft neu zu entdecken. Eine Botschaft, die zeigt, dass Verzeihung und Befreiung von Schuld und Angst möglich ist; die aber auch die Gewissheit bringt, dass der Mensch in der Liebe Gottes geborgen ist, und Gott ihn auf seinem Lebensweg begleitet und schliesslich zu einem ewigen Leben führt. sierungsprozess zu suchen, sondern müssen auch im Kontext einer oft unglücklich verlaufenen jahrhundertelangen Katechetisierungs-Arbeit zu sehen sein. Gerade im Bemühen, Gläubige auf den «rechten» Weg zu führen, wurde bis zum Überdruss das Bild eines strafenden Gottes vermittelt, der gnadenlos in geradezu buchhalterischer Akribie unsere Sünden festhält und uns unbarmherzig richtet. Die Frohbotschaft des Evangeliums verwandelte sich so in eine Drohbotschaft und bewirkte, dass immer mehr Menschen sich von Kirche und Gott abwandten. Es ist die Tragik dieser Entwicklung, dass die ursprünglich zentrale erlösende Frohbotschaft oft in den Hintergrund trat und so den heutigen Menschen vermehrt nicht mehr erreichte. Gerade er aber hätte sie dringend nötig, um in Gott jene Geborgenheit zu finden, die in der Anonymität der aktuellen Leistungsgesellschaft so schwer zu finden ist. Das Wissen um eine alles verzeihende Liebe könnte zu einem Konversionsprozess führen, der den Einzelnen befähigt, nicht nur sich selbst zu verzeihen, sondern sich auch mit den Andern auszusöhnen. In kriegstraumatisierten Ländern wie Südafrika, Angola und Ruanda hat sich gezeigt, wie wichtig solche Prozesse sind. Nur wenn Hass und Rachegefühle abgebaut, wenn aber auch Schuld und Versagen eingestanden werden, ist ein Neubeginn möglich. Dies gilt Christiane Blank, Dr. theol. und dipl. psych., ist emeritierte Professorin der Päpstlichen Theologischen Fakultät von São Paulo, an der sie 25 Jahre lang lehrte.
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